Wissensportal
Aus WM 2.0 Wissensmanagement-Wiki
Neben der Wikipedia gibt es im Web noch eine Reihe weiterer frei zugänglicher Online-Enzyklopädien mit zum Teil unterschiedlichen Autorenmodellen:
- Bei dem vom Mitbegründer von Wikipedia, Larry Sanger, im Herbst 2006 gegründeten Citizendium (The Citizens' Compendium) müssen sich Autoren unter ihrem richtigen Namen und einer funktionierenden E-Mail-Adresse anmelden und somit die Verantwortung für ihre Artikel übernehmen.
- «knol» (Abkürzung von «knowledge», Englisch für Wissen), die geplante Plattform von Google, soll zur Wissensverbreitung und als Informationsquelle im Internet dienen. Dabei kämen Experten und Nutzer zum Wort, um Artikel zu einem bestimmten Thema aus ihrem jeweiligen Fachgebiet zu verfassen. Anders als bei Wikipedia allerdings sollen die Autoren ihren Namen unter die Artikel setzen dürfen. Textänderungen wären dann nur mit Zustimmung des Verfassers möglich, um Manipulationen entgegen zu wirken. Google liefert die Online-Tools dazu und übernimmt das Hosting der Artikel. Je nach Wunsch des Autors kann ein Knol sogar mit Werbung angereichtert werden - der Autor erhält dann einen Anteil der Werbeeinnahmen.
- Die seit 1771 erscheinende Enzyklopädie Encyclopaedia Britannica ist seit November 1999 online und will sich mit einem komplett überarbeiteten Web-Auftritt rund um ihr Nachschlagewerk im Internet eine Community aus Experten und Lesern schaffen, die ihr Wissen zusammentragen und im Web veröffentlichen. Eingetragene Nutzer bekommen einen Online-Editor an die Hand, in dem sie Artikel schreiben und unter ihrem Namen veröffentlichen können. Interessierte Nutzer sollen bereits existierende Artikel, Essays und Multimedia-Präsentationen bearbeiten können. Diese Beiträge sollen die Artikel der Encyclopaedia Britannica begleiten, die auch in Zukunft den Kern der Enzyklopädie bilden und weiterhin nach strengen Qualitätskriterien begutachtet werden sollen. Doch auch zu diesen Artikeln sollen die Nutzer Verbesserungs-, Aktualisierungs- und Ergänzungsvorschläge einbringen können, die dann geprüft werden und möglicherweise Eingang in das offizielle Nachschlagewerk finden. Die Encyclopaedia Britannica plant darüber hinaus ein noch nicht näher erläutertets Belohnungssystem für Autoren.
- Auf wissen.spiegel.de sind die Inhalte aus den Magazinen und der Online-Ausgabe des Spiegels sowie die Inhalte der kompletten Bertelsmann-Lexika und -Wörterbücher zu finden. In dem Portal sind derzeit über 1,5 Millionen Artikel abrufbar. Die meisten davon stammen aus der freien Internet-Enzyklopädie Wikipedia, aus dem Print-Archiv des Spiegel kommen über 300.000 Artikel seit 1947 hinzu, die im Volltext und als PDF zur Verfügung stehen. Ebenfalls abrufbar sind die Beiträge des Manager-Magazins und die Artikel der Online-Redaktionen. Bertelsmann steuert aus seinen Lexikonredaktionen über 200.000 Beiträge bei.
- Auf dem Wissensportal des französischen Verlagshauses Larousse sind 150.000 Artikel aus dem hauseigenen Nachschlagewerk kostenlos zugänglich - allerdings nur in französischer Sprache. Nutzer können auch eigene Beiträge einstellen, die allerdings von den Larousse-Artikeln getrennt bleiben. Die Autoren bleiben, so die Nutzungsbedingungen, im Besitz ihrer Beiträge. Kollaborative Arbeit an Artikeln nach dem Modell der Wikipedia ist nicht vorgesehen.
- Open Access, der entgeltfreie Zugang zu wissenschaftlichen Informationen, kennt zwei Varianten: Zum einen das Publizieren in kostenlos nutzbaren Online-Zeitschriften, zum anderen die zusätzliche kostenlose Bereitstellung von Artikeln, die zunächst in kostenpflichtigen Journalen erschienen sind. Selbst wenn Open Access nicht ohne Web-2.0-Features auskommt, erweisen sich viele 2.0-Techniken als für den wissenschaftlichen Kontext unpassend konzipiert. Der sich abzeichnende Trend zur Verwendung offener APIs und Bildung von Mashups führt zu Fragen der eindeutigen Identifikation unterschiedlicher Versionen eines Dokuments sowie gleicher Versionen eines Dokuments in unterschiedlichen Repositories. Ein von der Open Archives Initiative (OAI) entwickeltes Protokoll zum Austausch von Metadaten wissenschaftlicher Dokumente ist einer der Grundbausteine zum Aufbau verteilter Open-Access-Server-Strukturen. Mit OAI-ORE (Object Re-Use and Exchange) wird die interne Struktur digitaler Objekte beschrieben, in dem die einzelnen Bestandteile der Dokumente wie Animationen, Grafiken und Text und deren Verbindungen zu anderen Objekten in Repositories abgebildet werden (etwa Zitate oder Links).
Digitale Bibilotheken
- Die World Digital Library (WDL) will kostenlos kulturell herausragende Dokumente online für jedermann zur Verfügung stellen, darunter Manuskripte, Karten, seltene Bücher, Musik, Tonaufnahmen, Filme, Fotos und Architekturpläne. Die WDL hat sich zum Ziel gesetzt, mit diesen Materialien nicht nur das kollektive Gedächtnis der Menschheit zu bewahren, sondern auch das interkulturelle Verständnis zu fördern. Mit Suchmöglichkeiten nach Institution, Land, Zeit und Dokumentart, die nicht nur als Eingabefeld, sondern auch grafisch bedient werden, soll das Dokument schnell aufgespürt werden. Eine Zeitleiste dient zum Beispiel als Eingrenzung der Zeitspanne, innerhalb derer man nach Inhalten sucht. Inhaltlich setzt die WDL auf dem bereits bestehenden Unesco-Projekt Memory of the World auf.
- Europeana, gefördert von der Europäischen Kommission und den EU-Mitgliedsstaaten stellt Materialien aus Museen und Galerien, Archiven und Bibliotheken der EU-Mitgliedsstaaten kostenlos zur Verfügung.
- Die gemeinnützige Organisation Open Content Alliance (OCA) setzt sich den umfassenden Anspruch, das gesamte menschliche Wissen online verfügbar zu machen. Bislang stellen mehr als 60 Bibliotheken und Archive meist englischsprachige Inhalte in OCA ein, darunter das Boston Library Consortium, British Library, European Archive, National Library of Australia und viele Universitätsbibliotheken.
Quellen
- "Die World Digital Library startet am 21. April" 16.4.2009, heise.de
- "Encyclopaedia Britannica will sich eine Online-Community schaffen", heise.de, 9.6.2008
