Wissensmanagement 2.0

Aus WM 2.0 Wissensmanagement-Wiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Die attraktiven Möglichkeiten vom "Web 2.0" kennen, heisst noch lange nicht, mit diesen erfolgreich ein "Wissensmanagement 2.0" gestalten zu können.

Das Internet will es schaffen, die gesamten Informationen der Menschheit, nicht aber das gesamte Wissen der Menschheit zugänglich zu machen. Bei der Informationssuche (Informationsflut, Info-Smog) stösst man heute an Grenzen von Suchtechnologien, um "das Richtige" zu finden, sowie begrenzte Fähigkeiten (Information-Literacy), das Richtige zu finden. In den 1990er Jahren wurde das Wissensmanagement vorrangig als Aufgabe der Informationstechnologie (IT) gesehen. Es ging darum, das Wissen aus den Köpfen der Menschen in Datenbanken zu übertragen. Diese Datenbanken erwiesen sich bald als Datenfriedhöfe: Das dort gespeicherte "Wissen" wurde selten gepflegt und noch seltener abgerufen.

Content- und Document-Management-Systeme unterstützen das Wissensmanagement durch Kategorisierungs- und Suchfunktionen, und Kollaborationssoftware greift Projektmit­arbeitern bei der Zusammenarbeit im Team unter die Arme. Manche ECMS- und DMS-Lösungen sind jedoch kompliziert zu bedienen und arbeiten mit starren Struktur­vorgaben und fixen Taxonomien. Sie sind nicht für den spontanen Wissensaustausch konzipiert, sondern dienen eher als Archiv und zur formellen Publikation unternehmens- oder abteilungsweit relevanter Informationen. Auch das bestbefüllte Content-Repository löst eines der gravierendsten Probleme aber nicht: Das wertvollste Wissen steckt nicht in Dokumenten, sondern in den Köpfen der Mitarbeiter (siehe Explizites/Implizites Wissen). Ohne Menschen ist Wissensmanagement-Software nutzlos.

Die Erkenntnis daraus für Wissensmanagement 2.0: Wissen wird vor allem im Austausch von Menschen geschaffen und kommuniziert. Denn selbst das populärste Web-2.0-Tool nützt nichts, wenn es die Mitarbeiter ablehnen.

Inhaltsverzeichnis

Wissensmanagementstrategien

Um Wissensmanagement intern zu verankern und dabei zu besseren Ergebnissen zu kommen, haben Unternehmen typischerweise die Auswahl zwischen zwei Strategien: Kodifizierung und Personalisierungsstrategie. Während bei der Kodifizierung überwiegend technologieorientierte Maßnahmen des Wissensmanagements eingesetzt werden, geht es bei der Personalisierung in erster Linie darum, das personengebundene Wissen zu identifizieren, zugänglich zu machen und diese Personen weiter zu qualifizieren.

  • Kodifizierung: Das Wissensmanagement 2.0 nutzt Technik vorwiegend als unterstützendes Element. Mit "Kodifizierung" wird heute der Bereich benannt, in dem auch weiterhin Daten in Systeme gespeichert und den Mitarbeitern zugänglich gemacht werden.
  • Personalisierung: Wichtiger ist es, technische Möglichkeiten zu benutzen, um Mitarbeiter in Kontakt miteinander treten zu lassen. Entscheidend ist dabei, dass diese Technik nicht als Zusatzaufwand gesehen wird, sondern in die alltägliche Arbeit integriert ist.

Die Maßnahmen des Wissensmanagements, die sich aus einer derartigen Strategie ableiten lassen, können organisatorischer, technischer und kultureller Art sein: IT-Systeme zum unternehmensweiten oder organisationsübergreifenden Wissensmanagement sollten der menschlichen Arbeits- und Denkweise entgegenkommen, statt sie zu behindern. In den kulturellen Bereich fällt es beispielsweise, eine Fehlertoleranz zu akzeptieren. Denn nur, wenn Fehler - die sich auch in den besten Unternehmen nicht verhindern lassen - nicht schamhaft verschwiegen oder ignoriert werden, kann man aus ihnen lernen.

Was bringt es? Den typischerweise hohen Kosten für die spezialisierten, teuren und aufwendig einzuführenden Werkzeuge steht ein schwer zu beziffernder Nutzen gegenüber.

Der Grund liegt darin, dass in den allermeisten Fällen versäumt wird, die Wissensmanagementtechnologien in die täglichen Arbeitsabläufe der Mitarbeiter - also in deren wissensintensive Aktivitäten - zu integrieren. Solange Wissensmanagement bloss als lästige Zusatzaufgabe betrachtet wird kann dieser Ansatz keinesfalls erfolgreich sein. Auch mit der Einführung sogenannter Anreizsysteme kann dieses Problem nicht einfach umgangen werden.

Wissensmanagement mit Web 2.0

Die innerbetriebliche Kommunikation, das Wissensmanagement und die interne Zusammenarbeit lassen sich mit Hilfe eines auf nutzergesteuerten Informationsaustausch angelegten Intranets verbessern. Blogs, Wikis und Social Bookmarks helfen dabei, das Wissensmanagement qualitativ zu steigern: Informationen werden nicht mehr gehortet, sondern zentral bereitgestellt, so dass sie über Suchmaschinen abfragbar sind. Mit Hilfe von Web 2.0-Anwendungen wird das Wissen ins "Firmengedächtnis" aufgenommen und so nachhaltig verfügbar gemacht.

Es zeigt sich, dass verschiedene Web 2.0 Anwendungen verschiedene Funktionen im "Wissensmanagement Web 2.0" übernehmen:

WISSEN BEWAHREN & MIT ANDEREN TEILEN: Blogs, Wikis, Videos, Podcasts, Bilder

WISSEN WIEDERFINDEN: Social Bookmarking, Tags, Tag Clouds, Folksonomies, Ontologien

BEWERTEN & EMPFEHLEN: Recommending

Wer Kommunikation beeinflussen will, muss Teil von ihr werden. So lautet ein wichtiger Grundsatz der Unternehmenskommunikation. Social Software weist erhebliche Potenziale für den unternehmerischen Einsatz auf. Vor allem Kommunikation und Marketing erwarten Unterstützung. In der sozial vernetzten Welt des Web 2.0. sind Strategien und Taktiken gefragt, die Social Software dazu nutzen, dass Produkte und Dienstleistungen effektiv an den Kunden gebracht oder Marken bekannter gemacht werden.

Eine sehr interessante Kombination stellt "Science 2.0" dar: Wissenschaftler stellen ihre Ergebnisse vor Publikation und Review durch "etablierte" Review-Boards der Öffentlichkeit zur Verfügung und lassen Kritik, Kommentare und Veränderungen zu.

Wikis

Bild:LogoDef.gif Was ist ein Wiki?

Aus Sicht der "Bausteine des Wissensmanagements" nach Probst bieten Wikis folgende Möglichkeiten für das Wissensmanagment:

  • WISSENSZIELE: Das Management, nicht die Mitarbeiter (wie freie User im Internet) muss festlegen, ob es ein Wiki einführen will und welchen Wissenszielen es dienen soll.
  • WISSENSIDENTIFIKATION: Wikis können einen Beitrag zur Identifikation / Transparenz von Wissen in der Organisation leisten, können es aber nur zum Teil "identifizieren", wenn nicht alle mitmachen.
  • WISSENSERWERB: Wikipedia und andere externe Wikis tragen zweifellos zum Wissenserwerb (Import von Wissen) bei. Potential liegt darin, mit externen Partner ein gemeinsamens Wiki z.B. zu Projekten zu unterhalten, um den Wissenserwerb der eigenen Mitarbeiter zu fördern.
  • WISSENSENTWICKLUNG: Da Wikis allgemein immer auch "Kommunikation, Transparenz und Integration" ermöglichen, können sie zur Wissensentwicklung beitragen. Wikis ermöglichen die Schaffung neuer "Fähigkeiten, Produkte, neuer und besserer Ideen sowie leistungsfähigerer Prozesse"
  • WISSENSVERTEILUNG: Auch hier bieten Wikis optimale Chancen, beizutragen zu "Multiplikation von Wissen, Sicherung und Teilung von gemachten Erfahrungen und simultaner Wissensaustausch, der direkt zu Wissensentwicklung".
  • WISSENSBEWAHRUNG: Wikis bieten optimale Voraussetzungen.
  • WISSENSNUTZUNG: Hier ist Management gefragt, gezielte Voraussetzungen, um Anreize und Ressourcen für die Benutzung von Wikis und somit die Nutzung auch des darin explizit gemachten Wissens zu ermöglichen.
  • WISSENSBEWERTUNG: Praxis und Erfahrung werden zeigen, ob ein Wiki zu den Wissenszielen der Organisation beiträgt oder unter Umständen wieder eingestellt werden kann.

Aus Sicht des Wissens-Managements (=gezielte / gesteuertes Vorgehen im Umgang mit Wissen (im Gegensatz zur freien = ungesteuerten Web-Philosophie) stellen sich folgende Fragen bei der Einführung eines Wikis in einer Organisation oder einem Unternehmen:

  • ABWÄGUNG DER VOR- UND NACHTEILE EINES WIKIS:

• Jeder Benutzer kann Autor und Leser sein • schnell erlernbar, leicht zu bedienen, zentral verfügbar • erhöhte Transparenz in Unternehmen • machen Organisation falcher und anarchischer • mehr Partizipation, da das eingestellte Wissen auch Vorgesetzten zugänglich ist, können Entscheidungsprozesse beeinflusst werden • tauglich für Information / Dokumentation; Kommunikation / Kooperation; Interaktion Transaktion • Kosten niedriger als bei konventionellen Systemen der Wissenskonservierung.

• Nutzung von Wikis für Vandalismus, Mobbing und Manipulationen • geheime Informationen, die nicht allen Mitarbeitern zugänglich sein sollen, gelangen in ein Wiki • durch Einführung von Wikis Druck auf Mitarbeiter: Wer hat wie oft wann was eingetragen? Wie ist die Qualität der Einträge, die ein Mitarbeiter macht? • „Wissen“ ist relativ einfach zu erfassen, aber zunehmend schwer wieder zu finden

  • ENTSCHEIDUNG FÜR EINEN WIKI-TYP

• vielleicht für Mitarbeiter in einem Unternehmen, die weniger Informatikgewandt sind, ein einfaches Media-Wiki • vielleicht für Mitarbeiter / Unternehmen aus der IT-Branche ein Confluence-Wiki

  • PROBLEME UND TIPPS FÜR EINFÜHRUNG (siehe: Wikimatrix )

• gutes Mass finden zwischen Struktur bzw. Restriktion und Freiraum für die Berechtigungen der Mitarbeiter für die hinterlegten Inhalte • Mitarbeiterinnen von Vorteilen eines Wikis überzeugen • nur durch Motivation kann das gewünschte Mass der aktiven Beteiligung erzielt werden • Hemmnisse, dass Mitarbeiter ihr Wissen ungern preisgeben wollen • Berührungsängste mit der Editor-Technik, befürchten, etwas zu verfassen, was negativ bewertet wird.

• Finde einen guten „Maintainer“ (Motivator, Trainer, Supporter, Editor) • Finde einen guten Grund (Nutzen für Unternehmen, welche Informationssysteme gibt es, welches Wissen soll geteilt werden, wie wird kollaborative Arbeit in der Organisation erledigt?) • Finde die beste Maschine -> www.wikimatrix.org (gibt es nur IT-Profis in der Organisation als Editoren, braucht man einen Hosting Service, unterhältst Du das Wiki selbst, vertrauliche Informationen?) • Finde das richtige Team (aus Nutzern können Autoren werden) • Finde die richtigen Content-Areas: das Hauptproblem und die Stärke von Wikis: ist der Mangel an Struktur. Setze die initial taxonomy und Strategie. Lass die Dinge wachsen. Stelle Richtlinien, nicht Regeln auf. Richte eine Test-Seite ein, User Manual und Dokumentation. • Finde eine gute Startzeit. Nimm Dir Zeit! (Chef überzeugen, User Schulung, Content einrichten, Schulung und Support der Leute aus dem Team) • Unterhaltsarbeiten bedenken!

Beispiele für die Anwendung von Wikis bei Schweizer Unternehmen / Organisationen:
Eine Befragung Schweizer Unternehmen und Organisationen zeigt, dass Wikis – wenn überhaupt – für interne Zwecke zum Einsatz kommen. Öffentliche Verwaltungen nutzen Wikis im Vergleich zu anderen Organisationen überdurchschnittlich stark. Gar keine Anwendung finden Wikis bei NGO ( maz/Bernet-Studie Web 2.0: Umgang von Schweizer Unternehmen und Organisationen mit dem Social Web, Nov. 2007 )

  • Blikis Intranet bei der Cabelcom: Beim mit einem Gütesiegel von Best of Swiss Web ausgezeichneten Projekt können die Mitarbeiter im Intranet Blikis – eine Mischung aus Blogs und Wikis – Beiträge schreiben und auf einem persönlichen elektronischen Schreibtisch alle für sie relevanten Informationen bündeln. Die Blikis werden mit Tags versehen, Beiträge können kommentiert und abonniert werden. Cablecom verfolgt mit dieser Plattform drei Ziele: Erstens erhofft man sich langfristig durch die Etablierung des Intranets 2.0 als zentrale Kollaborationsplattform der Informationsüberflutung der Mitarbeiter durch E-Mails entgegenzuwirken. Angesichts der vielen neu lancierten Produkte und der schnelllebigen Telco-Branche ist dies essenziell. Zweitens soll die Mitarbeiterloyalität verbessert werden, indem sie ihre Anliegen vor- und ihre Ideen einbringen können – dies teilweise im direkten Diskurs mit der Geschäftsleitung und Bereichsverantwortlichen. Und drittens will Cablecom die Intelligenz der Masse nutzen, indem sie Mitarbeiter vermehrt in interne Entscheidungsprozesse oder in die Ideenfindung involviert. (Netzwoche 35/2007)
  • LIIP: Das Unternehmen LIIP bietet verschiedene Dienstleistungen im Internetbereich an. Neben der Erstellung von Webauftritten setzen sie sich auch für die Zusammenarbeit innerhalb von ihren Kunden ein. Mit flexiblen Internetlösungen stellen sie Wissensmanagement Werkzeuge oder Lernplattformen bereit. Der eigene Internetauftritt http://www.liip.ch, welcher auf der Hauptseite aus einem Blog besteht, wiederspiegelt ihre Arbeit sehr gut. Im Hause arbeitet Liip grundsätzlich mit einem Wiki. Die Mitarbeitenden haben keine Office-Paletten und keine eigene Dateiablagen mehr zur Verfügung. Alle Dokumente werden direkt ins Wiki eingetragen. Dadurch entsteht eine enorme Transparenz und die Mitarbeiter können von Arbeitsergebnissen ihrer Kolleginnen und Kollegen profitieren. Eintreffende zu den einzelnen Projekten gehörende Mails können durch Knopfdruck im Wiki eingefügt werden. Zudem führen alle Mitarbeitenden eine Blog, in welchem sie über ihre Arbeit reflexieren und erworbenes Wissen den anderen zur Verfügung stellen. Diese Blogeinträge sind fester Bestandteil des Pflichtenheft der Mitarbeitenden und werden von der Geschäftsstelle geprüft und kommentiert. Auch diese Blogeinträge werden direkt im Firmenwiki integriert. Über das ganze interne Wiki wurde eine Suchmaschine gelegt. So können abgelegte Dokumente sehr schnell aufgespürt werden. Diese Funktion ist bei den Mitarbeitenden sehr beliebt und wird oft eingesetzt.
  • Synaxon: Die deutsch Firma Synaxon http://www.synaxon.de ist in erster Linie eine Informatikutnernehmung, welche in den letzten Jahren die enormen Hochs und Tiefs der Branche mitgemacht hat. Als Hardware Vertreiber mit über 3000 Partnerbetrieben ist die Firma in den letzten Jahren extrem gewachsen. Das Wissensmanagement in der Firma selber und mit den Partner wurde immer schwieriger. Deshalb hat man sich entschieden, alle Arbeitsabläufe und Geschäftsinformationen auf einem Wiki zu betreiben. Alle Mitarbeitenden können dort mitschreiben und Änderungen anbringen. Zudem werden die MA dazu angeregt einen Blog zu betreiben, in welchem sie ihre Erkenntnisse aus Projekten dokumentieren. Ebenfalls wird ein offizieller Synaxon Blog betrieben: http://blog.synaxon.de/. Die ganze Anwendersoftware wurde auf das Wiki reduziert, dies bedeutet, dass keine Office Anwendungen mehr unterhalten werden und die ganze interne Kommunikation nur auf dem Synaxon Wiki besteht.
  • Wikis im Unterricht: Der Einsatz von Wikis im Unterricht bringt viele Vorteile, da das gemeinsame Arbeiten im Vordergrund steht. Wikis sind meist kostenlos und können intern oder auch über eine Webseite geführt werden. Wikis haben grosse Ähnlichkeiten mit einer Wandtafel, an der alle gleichzeitig und doch koordiniert schreiben können. Durch Hyperlinks können verschiedene Seiten von Lernenden zusammengeknüpft werden. Kommentare oder Veränderungen lassen sich leicht in die Präsentationen der Lernenden einfügen. Weder die Lehrperson noch die Lernenden brauchen dazu HTML-Programmierkenntnisse. Die Änderungen werden sofort übernommen, dabeo werden keine weiteren technischen Hilfsmittel benötigt. Passwörter können eingesetzt werden, müssen jedoch nicht. Die Arbeit der einzelnen Schülerinnen und Schüler steht der ganzen Klasse sofort zur Verfügung. Die Kolleginnen und Kollegen können daran weiterarbeiten oder die bestehenden Texte optimieren. Als wirkliche Arbeitsplattform ist das Wiki erst in der Oberstufe zu Empfehlen. Kleinere Textbeiträge können jedoch auch bereits in unteren Schulstufen von den Kindern erarbeitet werden.

Weblog

Bild:LogoDef.gif Was ist ein Blog?

Knowledge Blogs

Der folgende Abschnitt wurde auch mehreren Quellen zusammengefasst. Die wichtigsten dieser Quellen sind aufgeführt.

Es gibt diverse Blogs, welche sich mit dem Thema Wissensmanagement auseinandersetzen. Zum einen gibt es Privatpersonen, welche einen Blog führen um ihr persönliches Wissen zu ordnen, zu konservieren und zu verbreiten. Röll (2006) weist den persönlichen Knowledge Blogs folgende Funktionen zu: „die Funktion des Informationsspeichers, weil sich Blogs nutzen lassen, um Informationen festzuhalten und zu annotieren; die Funktion des Reflexionsme-diums, weil Blogs der Dokumentation und persönlichen Interpretation von Erlebnissen und Erfahrungen dienen können; und die Funktion des Kommunikationsmediums, weil Blogs daneben auch das Potenzial zur Vernetzung haben.“

Auch hat die Institution Schule die Vorteile von Blogs erkannt. Herkömmliche Lerntagebücher können nun über einen speziell für die Schule entwickelten Blog geführt und verwaltet werden. http://www.lerntagebuch.ch KMU’s und grössere Unternehmen (z.B. Siemens) setzen den Blog ein, um Erkenntnisse aus dem Berufsumfeld zu dokumentieren und an die Mitarbeitenden zu verteilen. Während hochentwickelte Software zur Verwaltung des Wissens in einem Unternehmen oft zu bürokratisch oder schlicht überdimensioniert sind, bietet ein Blog die Möglichkeit, Erkenntnisse schnell aufzunehmen. Jeder kann einen Blog bedienen, und wenn die Systematik der Ablage in übersichtliche Kategorien gegliedert wurde, lässt sich effizient damit arbeiten und auch in den Einträgen recherchieren. Ein weiteres mögliches Anwendungsgebiet im Unternehmensumfeld ist das Projektmanagement. Hier kann ein Weblog beim Verteilen von Informationen eine zentrale Rolle einnehmen. Zum Beispiel für Berichte über zugeteilte Aufgaben, Vorstellung neuer Teammitglieder, Änderungen von Zuständigkeiten, Ankündigung von Meetings, Statusberichte, Sitzungsprotokolle, Ergebnisse von Kundengesprächen oder kurze Statements zum Fortschritt von Arbeitsgruppen. Zudem bieten bereits die ersten IT-Entwicklungsfirmen so genannte Multiblog Produkte für Firmen an.

Quellen: http://orakelblog.ambranet.de/index.php/2005-129/wissensmanagement-mit-corporate-blogs/

http://php.educanet2.ch/ikzb/wordpress/wp-content/weblogs_wikis-und-die-dritte-dimension.pdf

Röll (2006)


Psychologische Aspekte der Knowledge Blogs

Zusammenzug aus dem Arbeitsbericht „ Knowledge Blogs zwischen Kompetenz, Autnomie und sozialer Eingebundenheit“ Gabi Reinmann, Tamara Bianco, Februar 2008

Die Selbstbestimmungstheorie

Die Selbstbesimmungstheorie befasst sich mit zwei Aspekten. Zum einen geht es in dieser Theorie um die graduelle Abstufung in der Regulation von Handlungen, die von externer Steuerung bis zur Selbstbestimmung geht. Zum anderen befasst sie sich mit den angeborenen Grundbedürfnissen der Menschen.Die Grundbedürfnisse eines Menschen werden laut Deci und Ryan (2000) wie folgt definiert:

Kompetenz: Selbstwirksamkeitserwartung, sich als kompetent erleben Soziale Eingebundenheit: Vernetzung, Akzeptanz, Anerkennung Autonomie: das eigene Handeln selbst bestimmen

Diese drei Grundbedürfnisse werden mit einem Knowledge Blog Rechnung getragen. Blogs stellen eine gute Möglichkeit dar, sich selber als wirksam zu erleben, da andere das persönliche Wissen, Denken oder Können wahrnehmen können. Aber nicht nur die Leser, sondern auch der Blogger oder die Bloggerin erkennt, was sich alles in der Zeit des Blogschreibens angesammelt hat. Es entsteht ein Bild der eigenen Leistung und dieses wiederum kann als Indikator der eigenen Kompetenz dienen.

Das Bedürfnis nach sozialer Eingebundenheit kann durch das Netz von sozialen Kontakten mit anderen Bloggern befriedigt werden. Bloggende Experten bilden Netzwerke zu bestimmten Interessengebieten. In der Blogroll-Liste ist ersichtlich, welche Blogs vom Autor oder der Autorin gelesen werden.

Knowledge Blogs sind meistens eine freiwillige Angelegenheit und sind oft eine Form der Selbstdarstellung. Anonymität wird in der Blogger Comunitiy weniger gerne gesehen. Nach einer Studie sollen vor allem zur Knowledge Blogs zur Reflexion anregen und damit die Reflexionsfähigkeit des Bloggers fördern. Dies ist ein wichtiger Punkt der Autonomie, da sie den Handlungsspielraum erweitert und die nötige Übereinstimmung externer Anforderungen und eigener Wertvorstellungen ermöglicht.

Fazit: „Wer in der Praxis große Hoffnungen auf Knowledge Blogs setzt, wer damit Wissens- und Lernprozesse verbessern, Motivation erhöhen und Leistungen optimie-ren will, wer dabei auch noch erwartet, etwa ökonomische und humanistische Ziele glei-chermaßen zu erreichen, der muss wissen: Nur unter der Prämisse, dass das Bloggen selbstbestimmt erfolgt und dabei grundlegende psychologische Bedürfnisse erfüllt, darf auf solche Effekte hoffen. Und das herzustellen, ist keine eben leichte Aufgabe! (…)Wer Knowledge Blogs als Prototyp von Web 2.0-Anwendungen in der Praxis tatsächlich zu mehr Verbreitung verhelfen will, tut gut daran, eine unnötigen Fron-tenbau zwischen extern regulierten Verhaltensweisen und -spielräumen einerseits und in-trinsisch motiviertem Tun andererseits zu vermeiden. Wer es ernst meint mit der Idee des Web 2.0, der sollte bedenken: Das persönliche Autonomieerleben – auch beim Bloggen – ist kein Alles-oder-Nichts-Phänomen, sondern ein Prozess, der dynamisch und niemals unabhängig von der äußeren Umwelt ist.“


Erfahrungen der Autorin:

In meiner relativ selbstständigen Tätigkeit initialisiere ich diverse kleine Projekte im schulischen und erwachnsenenbildnerischen Bereich. Da ich diese Arbeit bereits seit mehreren Jahren ausführen darf, habe ich eines Tages realisiert, dass ich selber vergessen habe, welche Projekte ich bereits durchgeführt habe. Durch diese Vergessenheit erledigte ich zum Teil Arbeiten doppelt, da ich nicht mehr wusste, dass ich etwas Ähnliches bereits durchgeführt hatte. Aufgrund dieser Erkenntnis suchte ich nach einer Lösung, mein erworbenes Wissen zu dokumentieren und einfach wieder einsetzen zu können. Die Möglichkeiten, welche mir der Blog bietet, haben meine Ansprüche sogar noch übertroffen. Durch die Blogeinträge kann ich mein Wissen auch anderen Personen auf einfachste Weise zur Verfügung stellen. Den Blog kann ich ebenfalls für meine Arbeit mit Erwachsenen einsetzen. Die Einträge können durch Bilder und weitere Medien zusätzlich illustriert werden. Als Nachteil empfinde ich, dass ich aufgrund des Urheberrechts keine Ergebnisse von Schülerinnen und Schüler auf meinem Blog veröffentlichen darf (Berechtigung der Eltern wäre erforderlich). Rückblickend auf die Zeit als Bloggerin, kann ich eine sehr positive Bilanz ziehen und den Blog für das persönliche Wissensmanagement sehr empfehlen. Besonders überzeugt mich die Technik des Taggging. Zu jedem Eintrag lege ich Schlagwörter fest, nach welchen sich die Einträge ordnen und wieder auffinden lassen.

Link zu meinem Blog: http://www.ict-im-unterricht.ch/


Aus Sicht der "Bausteine des Wissensmanagements" nach Probst bieten Weblogs folgende Möglichkeiten für das Wissensmanagment:

  • WISSENSZIELE: -
  • WISSENSIDENTIFIKATION: -
  • WISSENSERWERB: Mittels RSS Feeds können neuste Blogeinträg den Lesenden sofort sichtbar gemacht werden. Der vollständige Blogeintrag kann bei Interesse gelesen werden.
  • WISSENSENTWICKLUNG: Eine kollektive Wissensentwicklung kann durch einen gemeinsam genutzten Blog oder Multiblog gefördert werden.
  • WISSENSVERTEILUNG: Blogeinträge sind immer nach Datum geordnet. So ist sofort ersichtlich, wie alt ein Eintrag ist. Wird der Eintrag wieder bearbeitet, rückt er erneut an die oberste Stelle. Zudem können die Einträge durch Tags strukturiert werden. So ist ein Suchen und Ordnen nach Themenbereichen einfach möglich.
  • WISSENSBEWAHRUNG: Der neuste Blogeintrag steht immer an oberster Stelle, alte Beiträge rutschen nach unten. Eine Darstellung welche die Wichtigkeit eines Beitrages dokumentieren würde, gibt es bislang noch nicht. Ein Nachdruck auf wichtige Texte könnte mittels eines Tags gegeben werden.
  • WISSENSNUTZUNG: Ein Blog ist in der Regel sehr einfach zu benutzen. Aktive Blogger und Leser können einen Blog in Kürze bedienen. Auch bei einem Blog ist es wichtig, dass sowohl das Management wie auch die Mitarbeiter aktiv Beiträge leisten.
  • WISSENSBEWERTUNG: -

Bei der Einführung eines Weblogs in einer Organisation oder einem Unternehmen stellen sich Fragen / Probleme:

  • Stimmt der betriebene Aufwand mit dem Ertrag überein?
  • Für welche Zwecke soll der Blog eingesetzt werden?
  • Sind auch private Einträge erlaubt oder sogar erwünscht?
  • Soll die Führung eines Blogs für die Mitarbeitenden als obligatorisch erklärt werden?
  • Wird der Blog im Intranet geführt oder im Internet?
  • Welche rechtlichen Aspekte müssen berücksichtigt werden?
  • Welche Strategien werden verfolgt um einen "Informatin Overload" zu verhindern?

Beispiele für die Anwendung von Weblogs bei Schweizer Unternehmen / Organisationen:

  • Lerntagebuch in einem Blog: Die Internetseite http://lerntagebuch.ch/ stellt allen Schulen ein kostenloses Werkzeug zur Verfügung. Auf dieser Plattform könen Schülerinnen und Schüler ihr eigenes Lernen mittels eines Weblogs dokumentieren. Lehrpersonen können zu den Einträgen Fragen stellen und diese kommentieren. Die Einträge können die Lernenden passwortgeschützt vornehmen, so dass nur sie selber und die Lehrperson die Inhalte lesen kann. In einem ersten Schritt muss sich die Lehrperson registrieren, dann kann sie die Lerntagebücher für die Schülerinnen und Schüler ihrer Klasse erstellen. Die Lernenden haben unter name.lerntagebuch.ch einen persönlichen Webspace mit unterschiedlichen Funktionen zur Verfügung. Vorgegebene oder selbsterstellte Frage- und Antwortschablonen für die Lerntagebucheinträge können allen oder nur bestimmten Schülerinnen und Schülern zugewiesen werden. Sie helfen den Lernenden ihre Einträge zu gliedern.
  • http://blog.namics.com/ - namics ist ein führender IT- und Web-DienstleisterMarkenkommunikation und E-Business.

Podcast / Videocast

Bild:LogoDef.gif Was ist ein Podcast/Videocast?

Aus Sicht der "Bausteine des Wissensmanagements" nach Probst bieten Podcast / Videocast folgende Möglichkeiten für das Wissensmanagment:

  • WISSENSERWERB: Der Podcast Konsument kann Wissen erwerben.
  • WISSENSVERTEILUNG: Der Podcast Produzent verteilt Wissen oder stellt es zumindest zur Verfügung.
  • WISSENSBEWAHRUNG: Die Audio-/Vidoedateien werden gespeichert und so das darauf gespeicherte Wissen/Information aufbewahrt.

Bei der Einführung von Podcast / Videocast in einer Organisation oder einem Unternehmen stellen sich Fragen / Probleme:

  • Wer entscheidet welche Inhalte "gecastet" werden?
  • Ist die nötige Technik/Knowhow vorhanden? Wer stellt sie online?
  • Werden die Inhalte nur Firmen-/Organisationsintern verteilt ? oder können auch Externe (Kunden, Schüler, Freunde, etc) die Inhalte konsumieren? Wer ist das Zielpublikum? Wer darf die Inhalte NICHT sehen/hören?

Beispiele für die Anwendung von Podcast / Videocast bei Schweizer Unternehmen / Organisationen:

Migro - Der Migros M-Cooking Video-Podcast Website: http://www.m-cooking.ch RSS-Feed: http://feeds.feedburner.com/M-CookingVideopodcast

CoopZeitung Schweiz - Leben, Lösungen mit Margareth Letzel Website: http://www.coopzeitung.ch/section233/kinder+familie/Lebensberatung RSS-Feed: http://www.coopzeitung.ch/podcast/letzel/8700.xml

Die Post Schweiz - PostCast - der neue Audio-Podcast von DirectPoint Website: ist mit 111 Zeichen zu lang für das Wiki :-) RSS-Feed: http://www.post.ch/de/pm-direktmarketing-podcast

Nestlé Schweiz Podcasts - Diverse Website: http://www.nestle.com/MediaCenter/MediaLibrary/PodcastsAndMP3s/PodcastMp3.htm RSS-Feed: Diverse, siehe Website

Swisscom Fixnet - Die Bruno Bondi Show Website: http://www.brunobondishow.ch RSS-Feed http://www.brunobondishow.ch/podcasts/brunobondishow.xml

Schule: In einer 5. Klasse haben die Kinder sich mit ihren Lieblingsbücher beschäftigt. Sie hatten den Auftrag eine Buchbesprechung zu schreiben und sich die wichtigsten oder interessantesten Stellen in ihren Büchern zu markieren. Zum Teil haben die Kinder ihre Texte auf dem Computer geschrieben. Die Aufgabe der Kinder war nun, die Texte als Audiodatei auf dem Computer zu speichern. Dazu verwendeten wir das Programm www.audacity.de , welches kostenlos vom Internet zu beziehen ist. Nachdem die Kinder ihre Mikrophone in Position gebracht und einige Testaufnahmen gemacht hatten, begannen sie mit dem Sprechen ihrer Texte. Nach einem Abschnitt oder einem Versprecher stoppten sie die Aufnahme, bearbeiteten sie und setzen sie in einer nächsten Tonspur fort. Am Schluss oder auch dazwischen speicherten wir ihre Werke als MP3 -Dateien auf dem Klassenlaufwerk. Die Kinder haben sehr konzentriert gearbeitet und gingen sehr selbstständig mit den Bearbeitungswerkzeugen um. In der nächsten Doppellektion werden wir die Texte fertig stellen und die Schülerinnen und Schüler werden auch Kurzbeschreibungen zu ihren Buchbesprechungen schreiben. Alle Werke wurden danach auf der Webseite der Klasse veröffentlicht und wurden rege von den Eltern und den Kindern besucht. http://www.bifang.ch.vu/

Social Tagging

Bild:LogoDef.gif Was ist Social Tagging?

Aus Sicht der "Bausteine des Wissensmanagements" nach Probst bietet Social Tagging folgende Möglichkeiten für das Wissensmanagment:

  • WISSENSVERTEILUNG:

Social Tagging ist eine ideale Möglichkeit, das eigene Wissen und die persönlichen Informationen zu verwalten. Mit "social" wird ausgedrückt, dass das persönliche Wissen zusätzlich weiteren Personenkreisen zur Verfügung gestellt, also geteilt und gleichzeitig verteilt wird. Das "Verteilen" erfolgt unbürokratisch und schnell. Es hilft, Netzwerke zu bilden, die wiederum das persönliche Wissen erweitern können oder helfen, lang gesuchte Informationen zu finden.

Bei der Einführung von Social Tagging in einer Organisation oder einem Unternehmen stellen sich Fragen:

  • Ist den Mitarbeitenden klar, welches Ziel mit dem Taggings erreicht werden soll?
  • Welches Wissen / welche Informationen sollen getaggt werden?
  • Sind Mitarbeitende verpflichtet, ihr Wissen zu taggen?
  • Wird eine Kategorisierung als Grundlage vorgegeben, die beliebig erweitert werden kann oder wird den Mitarbeitenden freie Hand gelassen?
  • Soll eine Person das Social Tagging beobachten und allenfalls strukturierend eingreifen?
  • Wird eine Person beauftragt, veraltete Bestände zu löschen?

Beispiele für die Anwendung von Social Tagging bei Schweizer Unternehmen / Organisationen:

  • Social Tagging wird benutzt, um neuen Kollegen und Kolleginnen zu helfen zu Information zu kommen. Gewisse Jobprofile surfen auf ähnlichen Seiten. Deshalb ist es hilfreich, gemeinsame Tags zur Verwaltung von Internetseiten zu benutzen. Die Zeit für Recherchen wird optimiert, weil zum Beispiel die Kollegin im Büro um die Ecke oder aus einer Community of Practice den Schlüssel zur Lösung schon kennt.
  • Als Unterstützung für Lehrpersonen werden Internet-Sites zu einem bestimmten Fach getaggt. Mit den Tags kann zusätzlich eine Kategorisierung von Themen innerhalb eines Faches vorgenommen werden. Zum Beispiel: Lernprogramme, Podcasts, Unterrichtsmaterial, etc.

RSS

Bild:LogoDef.gif Was ist ein RSS?

Aus Sicht der "Bausteine des Wissensmanagements" nach Probst bietet RSS folgende Möglichkeiten für das Wissensmanagment:

  • WISSENSIDENTIFIKATION: Nachdem eine WIssensquelle indentifiziert worden ist, kann ich mich..
  • WISSENSERWERB: ..via RSS-Feed auf die Seite verlinken, und durch den RSS-Feed werde ich auf über Neuerungen auf der Seite informiert und habe so die Möglichkeit neues Wissen zu erwerben.


Bei der Einführung von RSS in einer Organisation oder einem Unternehmen stellen sich Fragen / Probleme:

  • Will ich als Geschäftsleiter, dass sich meine Mitarbeiter während der Arbeitszeit informieren?
  • Welche Quellen werden abboniert? Kann der Mitarbeiter das selber entscheiden?
  • Können auch RSS Feeds nach aussen zur Vewrfügung gestellt werden?

Beispiele für die Anwendung von RSS bei Schweizer Unternehmen / Organisationen:

  • Unternehmenspodcasts können via RSS Feed abboniert werden (Siehe Podcast).
  • Die Neuigkeiten auf dem Intranet können via RSS abboniert werden.

Social / Professional Networks

Bild:LogoDef.gif Was ist ein Social Network?

Aus Sicht der "Bausteine des Wissensmanagements" nach Probst bieten Social / Professional Networks folgende Möglichkeiten für das Wissensmanagment in Organisationen:

  • WISSENSZIELE: Das Management, nicht die Mitarbeiter (wie freie User im Internet) muss festlegen, ob es ein Professional Network einführen will und welchen Wissenszielen es dienen soll.
  • WISSENSIDENTIFIKATION: Professional Networks können einen Beitrag zur Identifikation / Transparenz von Wissen in grossen Organisation leisten, können es aber nur zum Teil "identifizieren", wenn nicht alle mitmachen.
  • WISSENSERWERB: Professional Networks tragen eigentlich nicht direkt zum Wissenserwerb (Import von Wissen) bei, vielleicht eher zum Wissen über Wissensträger.
  • WISSENSENTWICKLUNG: Professional Networks ermöglichen nicht direkt die Schaffung neuer "Fähigkeiten, Produkte, neuer und besserer Ideen sowie leistungsfähigerer Prozesse"
  • WISSENSVERTEILUNG: Professional Networks sind wenig geeignet für die "Multiplikation von Wissen, Sicherung und Teilung von gemachten Erfahrungen und simultaner Wissensaustausch, der direkt zu Wissensentwicklung".
  • WISSENSBEWAHRUNG: Professional Networks könnten Wissen über Netzwerke bewahren, wenn Mitarbeiter das so dem Unternehmen übergeben wollen.
  • WISSENSNUTZUNG: Auch unter optimalen Bedingungen sind soziale und berufliche Netzwerke immer auch das soziale und berufliche Kapital einer Einzelperson. Ob Mitarbeitenden ein vom WM bereitgestelltes Social Network nutzen würden, ist eher nicht anzunehmen.
  • WISSENSBEWERTUNG: Ob Professional Networks zu den Wissenszielen der Organisation beiträgt oder unter Umständen wieder eingestellt werden kann, zeigt einzig die Praxis.

Aus Sicht des Wissens-Managements (=gezielte / gesteuertes Vorgehen im Umgang mit Wissen (im Gegensatz zur freien = ungesteuerten Web-Philosophie) stellen sich folgende Fragen bei der Einführung von Social Networks in einer Organisation oder einem Unternehmen:

  • Übertragung von Erfolgsfaktoren "klassischer Netzwerke" auf "Social Networks?

• Netzwerkidentität: "Netzwerkidentität« entsteht dann, wenn die Netzwerkakteure sich selbst nicht nur als Vertreter ihrer Einzelinteressen begreifen, sondern auch eine Identifikation mit dem Netzwerk als solches entwickeln, sich also auch als Teil des Netzwerks verstehen und sich deshalb auch für das Netzwerk verantwortlich fühlen." Social Networking in Freundesnetzwerken kann man eine Zeit lang oder zufällig interessant sein, verblasst offenbar aber wieder recht schnell, wenn alle Freunde von allen werden. In professionellen Netzwerken / Communities of Practice hingegen ist es dann schon interessanter. Je spezialisierter das Netzwerk, desto höher die Identität. Meine Erfahrung aus dem Bereich Länderanalyse.

• Potenzialität / gemeinsame Visionen und Ziele: "Netzwerkbildung setzt Potenziale hinsichtlich gemeinsamer Zielstellungen voraus. Netzwerke bieten Potenziale, indem sie Optionen für Kooperationen zwischen den Akteuren bereitstellen." In Freundesnetzwerken gibt es wahrscheinlich nicht so viel Potenzialität (abgesehen von endlosen Parties) mittels Social Networking wie in professionellen Netzwerken, da hier vielleicht gemeinsame Visionen und Ziele (z.B. Entwicklung von etwas, Besuch einer Konferenz, Arbeit an einem Projekt) eher vorhanden sind. Auf der anderen seiten gibt es dann aber wieder Wikis und Blogs, die intensiver genutzt werden.

• Systemvertrauen: "Wo erfolgreiche Kooperationen in Netzwerken den Austausch sensibler Informationen und die Zusammenarbeit ohne 100%ige Absicherung, also ohne Netz und doppelten Boden verlangen, ist ein gewisses Mass an Vertrauen Grundlage für erfolgreiche Zusammenarbeit." In virtuellen Netzwerken mit virtuellen Identitäten kann es wohl kaum viel Systemvertrauen geben wie in "klassischen" Netzwerken.

• Orientierung am Gegenseitigkeits-Prinzip: "In erfolgreichen Netzwerken ist die sogenannte Reziprozitätsnorm akzeptierter Teil der informellen Spielregeln der Netzwerkarbeit." Wie im Wiki, Blog oder auch im Social Networking, die Reziprozitätsnorm ist nicht mehr wichtig. Man macht es halt.

• Anschlussfähigkeit: Traditionelle Netzwerke waren / sind oftmals sehr exklusiv und nur Personen mit bestimmten Profilen / Qualifikationen waren / sind anschlussfähig. Web 2.0 Technologien und die Virtualität bieten stärkere Offenheit und Anschlussfähigkeit, ermöglichen aber auch Exklusivität via Passwort und Anonymität via falscher Identität.

• Adressierbarkeit: "Je komplexer ein Netzwerk wird, desto wichtiger wird die Frage der Adressierbarkeit: Wo kann ich anrufen, wer kann mir in einem bestimmten Fall weiterhelfen? Wen rufe ich an? Woher weiss ich, dass er verlässlich und kompetent ist? Wer ist über welche Sachverhalte und Entscheidungen zu informieren?" Das finde ich einen extrem interessanten Aspekt, da diese Frage hier schnell geklärt wären im Gegensatz zu ewig veralteten "Name-Telefon-Email-Listen" aus so manchem Netzwerk. Auch wäre hier möglich, Verlässlichkeit und Kompetenz zu ersehen.

• Personelle Kontinuität/Stabilität der Beziehungen: "Netzwerke gründen auf Vertrauen. Vertrauen entsteht auf Grundlage gemeinsamer Erfahrungen und erfolgreichen Zusammenwirkens. Dieses Vertrauen ist meist personalisiert, bezieht sich also auf eine bestimmte Person und kann nicht ohne weiteres auf die Organisation übertragen werden, die diese Person vertritt." Auch hier wie die Sache offen und je nach Definition unendlich unkontinuierlich und instabil. Alles bleibt aber beim virutellen Social Networking eine Kann-Bestimmung. Man kann mitmachen.

• Stabile Kerne (Promotoren, Leitorganisationen, Multiplikatoren):"Gerade in der Phase des Netzwerkaufbaus brauchen Netzwerke stabile Kerne, die arbeitsteilig Funktionen des Netzwerkmanagements übernehmen. Dazu gehören Promotoren, Leitorganisationen und Multiplikatoren." Das habe ich immer so erlebt, auch bei Experimenten mit Facebook oder Xing. Die meisten sind eingeschlafen bzw. bei den meisten habe ich nicht mehr reingeschaut.

• Kompetentes Netzwerkmanagement: "Erfolgreiche Netzwerke müssen die Funktionen des Netzwerkmanagements erfolgreich abdecken, um die Komplexität der Netzwerkarbeit zu bewältigen und die Zusammenarbeit effizient und effektiv zu gestalten." Das fällt beim Social Networking weg, da man mitmachen kann, nicht muss oder via Wiki oder Blog keine Listen oder Papiere mehr zu verteilen sind / wären.

• Intensiver Wissens- (ggf. Technik-) Austausch: "Der Austausch von sensiblen Informationen ist für Netzwerkakteure nicht ohne Gefahren. ... Netzwerke können jedoch nur dann erfolgreich sein und die in ihnen liegenden Potentiale heben, wenn es gelingt, eine Plattform zu installieren, auf der relevante Daten verschickt, Wissen abgelegt und abgefragt werden kann." Genau das ermöglichen ja Web 2.0 Technologien inklusive der exklusive Formen (Passwort-Zugang).

• Geeignete Organisationsstruktur: "Die Netzwerkstruktur bietet die Gelegenheit zu flexiblem, innovativen Vorgehen." Genau das ermöglichen ja Web 2.0 Technologien inklusive der exklusive Formen (Passwort-Zugang).

• Geeignete Verfahren zur Konfliktbearbeitung: "Aufgrund der Besonderheiten der Netzwerkarbeit (geringe formale Ordnungsrahmen, hohe Dynamik, wechselnde Kooperationspartner) liegen potentielle Konflikte in Netzwerken immer in der Luft. ... Erfolgreiche Netzwerke zeichnen sich daher dadurch aus, dass sie vorbeugend geeignete Maßnahmen zur Konfliktvermeidung bzw. –bearbeitung ergreifen." Hier kann ich nur sagen "delete" oder "edit war". Aus dem eigenen Netzwerk kann man jeden löschen, in Wikis kann man sich edit wars liefern, in Blogs unendliche lange blogwars. Während ja Wikipedia als Mediator eingegreift und Seiten vor dem Zugriff sperrt, würde Netzwerke wahrscheinlich einfach zerfallen.

  • Einführung von Social Networks in / zwischen Organisationen / Unternehmen?


Beispiele für die Anwendung von Social Networks bei Schweizer Unternehmen / Organisationen:

  • Siemens: Die Division von Siemens Building Technologies mit ca. 35'000 Mitarbeitenden pflegt ein aktives Wissens-Intranet. Dies ist eine Web-Plattform zum globalen Austausch von geschäftsrelevantem Wissen, Erfahrungen und Best-Practice wie auch ein 'SocialNetworkingTool', welches Kolleg(inn)envernetzen und zur bilateralen Kommunikation animieren möchte. Zudem enthält es strukturierte Wissensreferenzen (Kundenprojekte, Lösungs-/Servicekonzepte, Technologieinformation, 'LessonsLearned', usw.) und zugehörige Dokumente. Das Wissens-Intranet bietet verschiedene Diskussionsforen ('UrgentRequests', Lösungsideen, usw.). Auf diese Plattform sind rund 3800 Mitglieder aus 71 Staaten registriert. Die Plattform wird von einem einzigen Wissensarbeiter inhaltlich und auch technisch betreut. Ziel des Intranets ist das Social Networking unter den Nutzern und das Anbieten von Wissen in alle Länder. Jeder Mitarbeiter soll als Autor oder als Leser die Plattform nutzen können. Aus neuen Beiträgen werden News für die Hauptseite generiert und durch RSS-Feeds können verschiedene Bereich abonniert werden. Über eine Suche können die einzelnen Einträge durchsucht werden. Ebenfalls können den Beiträgen Visualisierungen mit Google Maps und Google Earth hinzugefügt werden, um eine klarer Lokalisierung der Projekte zu erwirken. Auf dem Profil der Mitarbeitenen kann direkt Kontakt durch SMS aufgenommen zudem ist die lokale Tageszeit dieses Mitarbeitenden sichtbar. Mit Google Earth können zudem alle Siemens Projekt aufgerufen werden und die dazugehörigen Informationen entnommen werden. Auch Foren für Fragestellungen sind sehr beliebt und werden rege genutzt.

ePortfolio

Aus Sicht der "Bausteine des Wissensmanagements" nach Probst bieten ePortfolios folgende Möglichkeiten für das Wissensmanagment:

  • WISSENSIDENTIFIKATION: Ich kann identifizieren wer in welchem Gebiet über Erfahrung/Wissen verfügt.

Bei der Einführung von ePortfolios in einer Organisation oder einem Unternehmen stellen sich Fragen / Probleme:

  • Sind die Informationen auch ausserhalb zugänglich?
  • Wie steht es um den Daten-/Persönlichkeitsschutz?

Bildung 2.0

Wissen stellt den wertvollsten Erfolgsfaktor im Rahmen der persönlichen und beruflichen Entwicklung dar - entsprechend sollte der Lernprozess früh einsetzen und während unseres ganzen Erwachsenenlebens anhalten. Bildung gewinnt aufgrund des Wandels hin zu einer zunehmend wissensbasierten Wirtschaftswelt immer mehr an Bedeutung. Gebildeteres Personal ist produktiveres Personal, weil es über höhere kognitive, soziale und emotionale Fähigkeiten verfügt. Gebildete Leute können besser führen und besser geführt werden. Sie sind positiver eingestellt, verstehen sich besser mit Kollegen, haben bessere Ideen und sind deshalb geeigneter für eine Karrierelaufbahn. Der Einsatz von Web 2.0 in der Bildung - auch Bildung 2.0 genannt - ist ein Thema mit dem sich nicht nur Bildungsinstitute beschäftigen sollten, sondern auch in einem Unternehmen Sinn macht, wo Wissensarbeiter beschäftigt werden.

Allgemein

Vernetzte Online-Zusammenarbeit

Das Internet und das Web sind von den Wissenschaftlern als neue Möglichkeit wahrgenommen worden, Fachwissen pointiert zusammenzufassen und an die Öffentlichkeit geben zu können. Das wohl bekannteste Wiki, die Wikipedia, war der erste wirklich revolutionäre Ansatz, ein Nachschlagewerk im Netz zu verfassen. Dort wollte man nicht einfach die bisherigen Kompetenzstrukturen im Netz abbilden. Dort hat man gesagt: Wir schauen, welche Kompetenzen im Netz selbst vorhanden sind, welche Kontroll- und Steuerungsmechanismen das Netz in sich birgt. Die Wikipedia hat gezeigt, dass man Netzwerkeffekte dann dazu nutzen kann, die Qualität zu steigern, wenn man die Frage an das Netz richtig formuliert. Gerade Enzyklopädien eignen sich auf eine geniale Art und Weise zur relativ feinkörnigen Netzkontrolle. Durch das Stichwortsystem wird nämlich der Kompetenzbereich der Teilnehmer automatisch eingeschränkt. Die Wiki-Autoren können sich selbst für ein Stichwort zuständig erklären.

Neu an den Wikis sind diese kollaborativen Schreibprozesse, also dass man an einer Sache von überall in der Welt her kontinuierlich verbessernd gemeinsam arbeiten kann. Wir erleben eine Form der Vergesellschaftung von Geist, denn da werden Bereiche detailliert und sachorientiert kooperativ gemeinsam bearbeitet. Damit es funktioniert, braucht es zwei entscheidende Nebenbedingungen. Erstens die Wissensstruktur einer Enzyklopädie, die Segmentierung. Das Zweite ist ein gesellschaftlicher Wunsch, dass diese Art der Wissensstruktur vorhanden sein und ausgebaut werden möge. Es braucht dann eine Methode, den Leuten die Arbeit zuzumessen - und das darf nicht zu groß und nicht zu klein sein. Das Unterteilungsprinzip der Enzyklopädie erweist sich an dieser Stelle als richtig. Neben der weltweit bekannten Wikipedia existieren im Web noch weitere frei zugängliche Wissensportale.

Aus der Nutzung von Social Computing Tools innerhalb des Firmennetzwerkes ergeben sich zahlreiche Anwendungsbereiche. Der Informationsaustausch zwischen den Mitarbeitern und den unterschiedlichen Unternehmensbereichen kann schneller, flexibler und effizienter von statten gehen, die Informationen können auf kürzestem Wege verbreitet werden, Wissen kann gesammelt und ausgetauscht werden, Teamarbeit wird effizienter und ist besser zu koordinieren. Barrieren werden abgebaut da die Informationen schneller und zielgerichteter verbreitet werden können und nicht zuletzt ist die Einbeziehung der einzelnen Mitarbeiter eine sehr gute Möglichkeit, Wissen zu sammeln und zu bewerten.

Wikis lassen sich als zentrale Projektplattform nutzen, indem Planung, Statusreports und Spezifikationen sowie Links und Dateien dort abgelegt werden. Damit sind alle Beteiligten in der Lage, die projektbezogenen Informationen unabhängig von Ort und Zeit einzusehen sowie mit sofortiger Wirksamkeit zu aktualisieren. Dokumente können gemeinsam erstellt und bearbeitet werden. Veränderungen werden umgehend sichtbar und alle Teilnehmer mit Hilfe von RSS-Feeds darüber informiert.

Mit Content-Syndication per RSS oder Atom lassen sich Inhalte aus den verschiedensten Quellen auf einer Seite konsolidiert zusammenfassen. Traditionell werden die Syndication-Formate für den Bezug von Newsmeldungen genutzt. Insbesondere das technisch überlegene Atom-Format erlaubt zusammen mit dem Atom Publishing Protocol (APP) aber auch das Erstellen, Lesen, Ändern und Löschen von Anwendungsdaten aller Art, so dass mit entsprechend aufgesetzten Webservices aus unterschiedlichen bestehenden Anwendungen völlig neue zusammengesetzte Anwendungen ent­stehen.

Während die ersten Wiki-Systeme keine hierarchische Gliederung der erfassten Seiten erlaubten und kein detailliertes Berechtigungssystem boten, existieren heute diverse unternehmenstaugliche Lösungen, die sich in die firmenweite Directory-Infrastruktur (LDAP, ActiveDirectory) einbinden lassen. Damit lässt sich der Zugriff auf die zentral abgelegten Informationen projektweise eingrenzen. Die Wikis für den Firmeneinsatz bieten zudem einen Rich-Text-Editor, der den Umgang mit der zwar einfachen, aber für den Gelegenheitsanwender trotzdem ungewohnten Wiki-Syntax überflüssig macht. Enterprise-taugliche Wiki-Systeme sind sowohl für die Installation auf einem firmeninternen Server als auch in Form von Software-as-a-Service (SaaS) erhältlich. Die meisten Lösungen stammen von kommerziellen Anbietern und bieten neben Wiki- auch Blogging-Funktionalität

Hier einige Eingenschaften kommerzieller Wiki-zentrierter Social Computing Tools:

  • Customervision positioniert sein Produkt Bizwiki vor allem als unternehmensweite Lernplattform. Neben editierbaren Webseiten im Wiki-Stil, Blogs und Diskussionforen glänzt die Lösung mit einem Feature namens «Ask the Expert Workflow»: Die Benutzer können Fragen eingeben, die dann je nach Thema automatisch an einen geeigneten Mitarbeiter mit entsprechenden Kenntnissen weitergeleitet werden.
  • Workflow-Funk­tionalität mit Genehmigungsablauf und E-Mail-Abstimmung gibt es auch in der neusten Version von Brainkeeper.
  • Centraldesktop ist eine ausgewachsene, gehostete Plattform auf Wiki-Basis, angereichert durch Calendaring, Projekt- und Task-Management, Diskussionsboards und Realtime-Webconferencing.
  • Blogs und Wikis auf .Net-Basis stellt u.a. auch der Microsoft-eigene Sharepoint Server zur Verfügung. Windows SharePoint Services 3.0

Explizite Social-Bookmarking-Funktionalität ist in den wenigsten Unternehmens- Web-2.0-Lösungen enthalten, Links lassen sich aber natürlich auch in jedem Wiki und Blog erfassen und kommentieren.

Eine tabellarische Übersicht von Wikis, Blogs und Social Networking für den Unternehmenseinsatz befindet sich hier.

Virtuelle Begegnungsräume im Web

Virtuelle Welten werden in einem Atemzug mit neuen Werkzeugen genannt, die unter dem Oberbegriff Web 2.0 derzeit für Furore sorgen. Viele Unternehmen setzen diese Technologien bereits ein. Virtuelle Welten wie Second Life erlaubt es dem Nutzer, prinzipiell beliebige 3D-Objekte zu kreieren und fügen sich damit nahtlos in das Konzept des User-generated Content ein, das das Web 2.0 groß gemacht hat. Der Wesenskern virtueller Welten allerdings ist ein anderer: die Möglichkeit der Begegnung und Kommunikation. Der Begegnungsraum, die soziale Dimension ist der entscheidende Faktor für die Attraktivität derartiger Plattformen. Auch damit liegen virtuelle Welten im Trendkorridor des Web 2.0. So wird es möglich, dass Menschen, die möglicherweise über Kontinente verteilt sind, lebensnäher und intensiver zusammenkommen können, als dies etwa mit einer Telefonkonferenz möglich wäre. Darüber hinaus können in der virtuellen Dreidimensionalität gewohnte Ordnungsstrukturen wie Konferenz– oder Büroräume abgebildet werden. Jeder Nutzer findet sich intuitiv zurecht. Bis Ende 2011 werden 80 Prozent der aktiven Internet-Nutzer und Fortune 500-Firmen in Second Life oder anderen, konkurrierenden virtuellen Welten online sein, meint Gartner.

In den nächsten 10 bis 20 Jahren, einer Zeitspanne in der sich das Web ungefähr popularisierte, könnte sogar etwas wesentlich größeres entstehen: Ein echtes Metaversum. In Neal Stephensons Cyberpunk-Klassiker "Snow Crash", 1992 erschienen, ist es bereits beschrieben: Eine virtuelle Stadt von der Größe eines Planeten, die 120 Millionen Avatare enthält – virtuelle Persönlichkeiten, die nach Unterhaltung, sozialem Kontakt oder Geschäften Ausschau halten. Markenartikelhersteller wie Adidas testen heute bereits ihre Produkte in Second Life, bevor sie sie auf den Markt bringen und der Axel Springer Verlag („WELT“, „Bild“) bringt sogar wöchentlich eine virtuelle, englischsprachige Zeitung („The AvaStar“) mit Nachrichten aus der virtuellen Welt heraus.

Die Ressource Wissen ist immer häufiger in Visualisierungen codiert. Das unaufhaltsam wachsende Universum zweidimensionaler Bilder, Filme, Chartgrafiken könnte – in 3D-Wolken schlüssig ausgebreitet und semantisch geordnet – einfacher als heute zu durchforsten sein. Eine 3D-Wikipedia wird es gestatten, nicht nur Zahlen und Fakten abzurufen, sondern Wissen besser zoombar zu machen. Lebendige Wissensträger werden als kleine Helferlein neben Texten oder einzelnen Worten platziert wie heute Hyperlinks. Virtuelle Welten werden dann die Funktion von Service- und Kompetenz-Marktplätzen übernehmen. Besonders viel versprechend ist das Cybersourcing, die Auslagerung von Funktionen und Services in eine 3D-Welt. Während wir bisher vor allem Dokumente und Wissensspeicher im Netz benutzen, sind dann die lebendigen Wissensträger als Problemlöser nur einen Klick entfernt.


Expertensuche und Online-Recruting

Social Networking spielt innerhalb eines Unternehmens, wenn es um die Zusammenstellung von Projektteams geht, eine wichtige Rolle. In einem sozialen Netzwerk führt jeder Mitarbeiter ein für alle anderen zugängliches Profil mit Personalien wie Ausbildung, jetzigen und früheren Arbeitgebern, abgewickelten Projekten und insbesondere einer möglichst detaillierten Aufstellung beruflicher und privater Interessen und Fähigkeiten. Auf diese Weise findet man relativ einfach Experten für ein bestimmtes Fachgebiet, das im aktuellen Projekt gerade gefragt ist. Umgekehrt informieren sich Projektverantwortliche so über geeignete Kandidaten für eine offene Position.

Laut einer im Mai 2007 durchgeführten Studie des Institute for Corporate Productivity (i4cp, vormals HRI) sehen 25% der Unternehmen in der Verbindung der Mitarbeiter den Grund, um Social Networking-Sites zu nutzen. 47% nutzen die Sites, um mit potenziellen Kunden in Kontakt zu treten. Über die Hälfte (55%) der professionellen Nutzer tauschen sich mit Kollegen über "Best Practice"-Lösungen aus und 49% versuchen Antworten auf aktuelle Fragen zu bekommen, die sie bei der Arbeit antreffen. An diesem Punkt sehen die Experten auch das eigentliche Potenzial für soziale Netze innerhalb einer Unternehmung. Dank sozialer Netze können sich Community-Mitglieder online und in Echtzeit über funktionierende und nicht-funktionierende Lösungen austauschen. 35% suchen einen neuen Job im Web 2.0.

Web 2.0-Technologien erschliessen auch beim Recruiting neue Wege. Ein Beispiel dazu liefert der Managementberatungs-, Technologie- und Outsourcing-Dienstleister Accenture. Herzstück der Initiative „Mit-Macher gesucht" ist das interaktive Bewerberportal accenture-mit-macher.com. Die Besucher der Seite treffen auf Mitarbeiter, die neue Kollegen suchen. Jede der vorgestellten Personen erzählt per Mausklick über ihren Job oder den bisherigen Lebenslauf. Das Unternehmen tritt damit in einen persönlichen und direkten Dialog mit potenziellen Bewerbern und bietet so einen Einblick in die vielfältigen Karrieremöglichkeiten. Die integrierte Recruiting-Initiative wird flankiert von viralen Marketing-Elementen. So werden Videoclips über YouTube verbreitet, die auf das Bewerberportal verweisen. Dabei spielt die interne Kommunikation eine zentrale Rolle: Die eigenen Mitarbeiter helfen bei der viralen Verbreitung der Initiative, indem sie die Spots an ihr persönliches Netzwerk weiterleiten und das neue Bewerberportal weiterempfehlen.

Erfolgsfaktoren

Im prozessorientierten Wissensmanagement zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit sind es drei Dinge, die Erfolg versprechend sind:

  • Die Wissensmanagementstrategie sollte sich personell und budgetmäßig auf mindestens 75 Prozent an Personalisierung und höchstens 25 Prozent an Kodifizierung konzentrieren.

Im betrieblichen Intranet:

  • Systematische Schulungsangebote für Mitarbeiter tragen zur qualitativen Steigerung des unerlässlichen Wissens für die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens bei.
  • Web 2.0-Anwendungen im Allgemeinen und Wikis im Besonderen eignen sich besonders gut für die Einführung eines IT-ünterstützten Wissensmanagements.
Erfolgsfaktoren für die Umsetzung von Web-2.0-Konzepten.

Um die Effizienzgewinne zu erzielen, müssen die Unternehmen bei der Einführung eine Reihe von Bedingungen erfüllen. Die Herausforderungen sind dabei weniger technischer als organisatorischer Natur:

  • Bei der Einführung von Web 2.0-Anwendungen müssen klare Richtlinien und Standards definiert und berücksichtigt werden.
  • Web 2.0-Anwendungen müssen von Anfang an in die täglichen Arbeitsprozesse eingebunden und mit anderen Kommunikationskanälen integriert werden.
  • Web 2.0-Anwendungen können ihre Vorteile nur entfalten, wenn es in dem Unternehmen eine offene und kritische Kultur der Eigenverantwortung und partnerschaftlichen Zusammenarbeit gibt.

Quellen

Links

Literatur

Persönliche Werkzeuge