Wissensmanagement

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Wissensmanagement beschäftigt sich mit den Möglichkeiten, auf die Wissensbasis eines Unternehmens Einfluss zu nehmen. Unter der Wissensbasis eines Unternehmens werden alle Daten und Informationen, alles Wissen und alle Fähigkeiten verstanden, die diese Organisation zur Lösung ihrer vielfältigen Aufgaben benötigt. Dabei werden individuelles Wissen und Fähigkeiten (Humankapital) systematisch in der Organisation verankert. Wissensmanagement kann daher als ein Interventionsmechanismus verstanden werden, der auf den Theorien der Organisationslehre und des organisationalen Lernens beruht und diese systematisch nutzt.

Das Wissen innerhalb eines Unternehmens wird dabei als Produktionsfaktor verstanden, der neben Kapital, Arbeit und Boden tritt. Die strategische Grundlage für das Wissensmanagement bietet vor allem der Knowledge-based View of the Firm. Dieser stellt eine Erweiterung der Auffassung dar, Information (z.B. im Rahmen der Marktgestaltung und -beeinflussung) als betriebliche Ressource bzw. als Produktionsfaktor zu sehen.

Einen Beitrag dazu leisten Informationssysteme, indem sie die Mitarbeiter vernetzen und Informationen bereitstellen und bewahren.

Eine etablierte Definition von Bukowitz und Williams (1999) lautet: «Wissensmanagement ist der Prozess, durch den eine Organisation Wohlstand aus ihren intellektuellen oder wissensbasierten Ressourcen schöpft».

Die konkreten Anforderungen an das Wissensmanagement in Unternehmen und Organisationen hat Holger Nohr von der Fachhochschule Stuttgart wie folgt beschrieben:

  • Erschliessen von Wissen (Erfahrungen, Best Practices) für alle, die dieses im Rahmen ihrer Funktion benötigen.
  • Verfügbarmachen von Wissen am Ort und zur Zeit der Entscheidung.
  • Erleichtern des effektiven und effizienten Entwickelns von neuem Wissen.
  • Sicherstellen, dass jeder in der Organisation weiss, wo Wissen verfügbar ist.
  • Umsetzen dieser Kompetenzen in neue Produkte und Dienstleistungen.


Inhaltsverzeichnis

Systemisches Wissensmanagement

Systemisches Wissensmanagement = Systemisch + Wissen + Management.

Das systemische Wissensmanagement hat es mit zwei unterschiedlichen Realitäten zu tun - mit Personen und mit Organisationen. Es geht deshalb immer um zwei Seiten: um das Wissen (und Nichtwissen) von Personen sowie um das Wissen (und Nichtwissen) von Organisationen. Ein brauchbares Wissensmanagement setzt voraus, dass es sich um beide Seiten des Wissens kümmert.

In einer systemtheoretischen Perspektive bestehen Organisationen (wie alle sozialen Systeme) aus Kommunikationen. Personen rücken in die Umwelt von Organisationen und sind dort ebenso bedeutsam und relevant wie andere Aspekte der Umwelt von Organisationen auch. Und tatsächlich unterscheiden sich die Ziele von Personen und von Organisationen in aller Regel.

Wissensmanagement ist in gleicher Intensität das Management von Wissen wie auch das Management von Nichtwissen. Wissensmanagement verlangt manageriale Kompetenzen im Umgang mit Wissen ebenso wie Kompetenzen im Umgang mit Nichtwissen und Ungewissheiten.


Wissens-Kreislauf

Das Zusammenspiel Kodifizierung und Personifizierung wird in der Darstellung unten ersichtlich.

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Weiterführende Information zur Thematik bietet u.a. die Page Bausteine des Wissensmanagements.

Anwendungen

Phase Mensch Organisation Technik
Sensibilisierung Organisation Technik
Wissensziele definieren Mensch Organisation Technik
Wissen identifizieren

Mensch

Wissen erzeugen

Organisation

Wissen speichern
Wissen verteilen
Wissen nutzen

Organisation

Technik

Wissen verlernen

Mensch

Organisation

Technik

Wissen bewerten

Mensch

Technik

Wissensbausteine

Wissensziele
Das Wissensmanagement wird durch Wissensziele beeinflusst, ihm wird eine Zielrichtung gegeben. Die Wissenziele legen fest auf welchen Gebieten Wissen und Fähigkeiten aufgebaut werden müssen. Unterschieden werden:
«strategische Wissensziele» Sie beschreiben das organisationale Wissen des Unternehmens.
«operative Wissensziele» Sie richten sich auf der Ebene der täglichen Aktivitäten an den strategischen Wissenszielen aus.
Mit einer Zuweisung zu relevanten Personengruppen und Zeitbezügen soll gewährleistet werden, dass tatsächlich konkrete Umsetzungen erfolgen. Gefahr läuft das Unternehmen dann, wenn diese Anstrengungen dem operativen Geschäft zum Opfer fallen.

Wissensidentifikation
Mit einem ausreichenden Grad an Transparenz – intern wie extern – sollten die vorhandenen Wissensbestände identifiziert und allen Akteuren zur Verfügung gestellt werden. Absolute Transparenz ist nicht erreichbar, oft auch nicht gewünscht. Sie muss aber so definiert sein, dass vorhandenes Wissen nicht neu erarbeitet oder eingekauft wird, weil es in nicht zugänglichen Datenträgern oder einfach nur in den Köpfen der Mitarbeiter vorhanden ist. Stichworte: Wissens- Landkarten, Wissens-Topografien, Wissens-Bestand.

Wissenserwerb
Der Wissenserwerb, sei es von externen Partnern, Beratern, Kunden, Erfahrungen aus Forschungsprojekten, Wissen aus positiven und negativen Erfahrungen, oder durch Zukauf in Form von Software, Lizenzen, Patenten usw. spielen eine zentrale Rolle im WM.

Wissensentwicklung
Die Wissensentwicklung umfasst alle Aktivitäten die dazu geeinget sind nicht vorhandenes Wissen zu aufzubauen und vorhandenes zu ergänzen. Die «individuelle Wissensentwicklung», wie auch die «kollektive Wissensentwicklung» sollte gewährleistet sein. Bei beiden steht das Kommitment des Managements im Vordergrund. Ohne Managementanstrengungen versanden viele Ansätze.

Wissensverteilung
Die Wissensverteilung beginnt schon bei der Wissensidentifkation und führt bis hin zur Nutzung des Unternehmens-Wissens. «Wer soll in welchem Umfang Zugriff auf das Unternehmenswissen haben, wie soll es verteilt werden?» Ökonomisch betrachtet muss nicht jeder alles wissen. Die Wissensinhalte werden nach Wissensbedarf den Mitarbeitergruppen zugänglich gemacht. Dokumentationsregeln, Wissensverfalldaten, nutzerfreundliche Dokumente, Präsentationen usw. steigern die Effizienz und fördern die aktive Nutzung.

Wissensnutzung
Die Nutzungsbereitschaft der Akteure – dazu sind geeignete Rahmenbedingugen nötig – ist ein wichtiger Aspekt. Fremdes Wissen zu übernehen, nicht im «alten Trott» lange schon ausgeübte Arbeiten erledigen, kulturelle Barrieren abbauen, durch effektive Anwendung fassbare Ergebnisse produzieren, kürzere Produktentwicklungszeiten dank Nutzung vorhandenen Wissens - kurz: Wissensmanagement muss vom Mangement und allen Mitarbeitern gelebt werden.

Wissensbewahrung
Die Wissensbewahrung beschäftigt sich– unter Berücksichtigung der Aspekte: Speicherung und Aufbewahrung (wo, wie), aktuelles Wissen / veraltetes Wissen, Prüfung auf Wissenslücken, Zugriffsfrequenzen, Vernetzung der Wissensbestände zu logischen Einheiten – einerseits mit der Bewahrung des Vorhandenen Wissens, andererseits mit der Selegierung des veralteten Wissens von tatsächlich unternehmensrelevantem Wissen. Zur Wissensbewahrung gehört also auch das aktive «Vergessen» des Unnötigen und das Prüfen auf Untauglichkeit.

Wissensbewertung
Für die Wissensbewertung möchte man auf den ersten Blick den «return on invest» berechnen. Gemeint ist aber vor allem die Methode zur Messung der operativen und strategischen Wissensziele im Bezug auf die durchgeführten Aktivitäten im Bereich des WM. Dies als Voraussetzung von «Kurskorrekturen», seien Ziele oder Massnahmen davon betroffen. Erst so schliesst sich der Wissenskreislauf.
Laut Probst (S.210 ff.) ist eine Kombination aus quantitativen und aus qualitativen Indikatioren zu empfehlen. Indikatorenklassen sind von North/Probst/Rombard entwickelt worden. Auch diese Indikatiorenklassen lösen aber nicht die Frage «welches sind die richtigen Indikatioren?» In einem firmenspezifischen Prozess müssen diese definiert werden.
Zu den «Messwerkzeugen» gehören «balanced score cards», Wissenslandkarten, «SKANDIA Navigator», Feedbackquellen, Evolutionsmodell, Kompetenzportfolio-Analyse, Mitarbeiterbefragung, normative Wissensbewertung, strategisches Benchmarking, u.a.

Wissensmanagement Modelle

Wissensspirale nach Nonaka und Takeuchi

Die Wissensspirale von Ikujiro Nonaka und Hirotaka Takeuchi basiert auf der Interaktion von implizitem / explizitem Wissen, die sich in Wissensebenen anreichert. Der japanische Ansatz geht von der Annahme aus, dass Wissen auf den vier Wissensebenen «Individuum» «Gruppe» «Unternehmen» und «Interaktion zwischen Unternehmen» vorhanden ist. Auf dem Weg durch die Wissensebenen reichert sich das individuelle Wissen durch die Interaktion von explizitem und implizitem Wissen an, es bilden sich neue Interaktionsgemeinschaften. Dieses als SECI-Modell bekannte Modell übte großen Einfluss auf die folgende Literatur und Forschung zum Thema Wissensmanagement aus. SECI steht für Socialization - Externalization - Internalization - Combination

Wissensspirale nach Nonaka und Takeuchi

Münchener WM-Modell

Das Münchener WM-Modell beschreibt vier Bereiche. Wissensrepräsentation, Wissensgenerierung, Wissensnutzung, Wissenskommunikation.

Gemäss Reinmann-Rothmeier ist der «Ausgangspunkt des Münchener Wissensmanagement-Modells die Zielrichtung des Lernens sowie die Vorstellung von Wissen als einem variablen Zustand zwischen Information und Handeln. Wissensmanagement umschreibt im Münchener Modell den Versuch, Wissensbewegungen zwischen Information und Handeln so zu gestalten, dass konkrete Probleme und Situationen zielbezogen bewältigt werden können; es verkörpert eine neue Einstellung gegenüber Wissen und Wissensträgern sowie eine neue Kultur im Umgang mit diesen und ermöglicht eine Integration des technisch orientierten Informationsmanagements mit dem Human-Resource-orientierten Kompetenzmanagement. Mit vier der Metakognitionsforschung nahe stehenden Bereichen will das Münchener-Modell psychologische, organisationale und technische Aufgaben des Wissensmanagements theoriegeleitet aufeinander beziehen. Communities bilden die Keimzelle des Wissensmanagements und verstärken die Integrationsfunktion des Modells.»

Münchener Modell

Genfer Modell WM-Modell

Laut Probst/Raub/Rombardt - sie stehen in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedern des Geneva Knowledge Forum - haben sich folgende Bausteine des Wissensmanagements bewährt: Wissensziele, Wissensidentifikation, Wissenserwerb, Wissenentwicklung, Wissensverteilung, Wissensnutzung, Wissensbewahrung, Wissensbewertung. Diese acht Bausteine wurden in «sechs Kernprozesse der operativen Ebene» einerseits und in die «strategische Ebene» aufgeteilt. Die allgemein bekannten Grafik des Management-Regelkreises wurde um die von Dr. A. Burkhard empfohlenen Visualisierungen ergänzt.

Genfer Modell mit Visualisierungsvorschlägen

Die Wissensbausteine dienen auch als Grundlage für Unternehmenszweige: «Als Grundstruktur für die Kostennutzenanalyse eignet sich das Genfer Modell. Es ist pragmatisch und allgemein anerkannt. Idealerweise ist auf der strategischen Ebene das erste Kriterium die Definition der Wissensziele und stimmt somit mit dem ersten Schritt der Nutzwertanalyse überein...» www.wissensmanagement.net

Reifegrade wissensorientierter Unternehmensführung

WM konkret umgesetzt bedeutet, alle Stufen der Wissenstreppe zu gestalten. Das strategische WM durchläuft die Treppe von oben nach unten, um die Frage zu beantworten, welche Kompetenzen und daraus abgeleitet, welches Wissen und Können benötigt wird, um wettbewerbsfähig zu sein. Wissensziele sind aus den Unternehmenszielen abzuleiten.

Reifegrade wissensorientierter Unternehmensführung

Je nachdem auf welcher Stufe der Wissenstreppe sich ein Unternehmen befindet, repräsentiert es einen bestimmten Reifegrad.

  • Unternehmen des ersten Reifegrades: Konzentration auf das Informations- und Datenamangement
  • Unternehmen des zweiten Reifegrades: Gezielte WM-Initiativen in einzelnen Unternehmensbereichen
  • Unternehmen des dritten Reifegrades: Professionelle Wissensorganisation, Abteilungs- und Geschäftseinheiten übergreifend, durchgängige Informations- und Kommunikations-Infrastruktur, Redaktionsprozesse, organisationale Verantwortung für Inhalte, CoP's, Nutzenmessung des WM
  • Unternehmen des vierten Reifegrades: Ein selten erreichter Idealzustand. Zusammenarbeit, Wissensaustausch, aktive Suche nach Innovationen, vertrauensvolle Unternehmenskultur, usw. siehe Klaus North, «Wissensorientierte Unternehmensführung» Seiten 35-39

Quellen

Links

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