Wissensbilanzierung

Aus WM 2.0 Wissensmanagement-Wiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Eine Wissensbilanz (engl.: intellectual capital statement) ist ein Instrument zur gezielten Darstellung und Entwicklung des intellektuellen Kapitals einer Organisation. Sie zeigt die Zusammenhänge zwischen den organisationalen Zielen, den Geschäftsprozessen, dem intellektuellen Kapital und dem Geschäftserfolg einer Organisation auf und beschreibt diese Elemente mittels Indikatoren. (BMWA, Wissensbilanz - Made in Germany, 2004, S.11)


Inhaltsverzeichnis

Wissensmanagement und Wissensbilanz

Die Wissensbilanz fokussiert die strategische Sichtweise von Wissen in Unternehmen. Während Wissensmanagement, die Ressource Wissen auf operativer Ebene managt, beschäftigt sich die Wissensbilanz mit der strategischen Bedeutung von Wissen für die Wertschöpfung und die Zukunftsfähigkeit der Organisation. Einen wichtigen Bereich der Wissensbilanz stellt die Messung von Veränderungen im Wissensbestand dar. Somit ergänzen sich die beiden Konzepte optimal: Die Wissensbilanz gibt die strategische Richtung für das Wissensmanagementprojekt vor, die durch Maßnahmen des Wissensmanagements umgesetzt wird. Die Wissensbilanz wiederum stellt abschließend die erfolgte Veränderung des Wissensbestands und den erreichten Geschäftserfolg dar. (vgl. Alwert et.al. in Mertins et.al. Hrsg., Wissensbilanzen, Springer 2005, S.14 f)

Struktur einer Wissensbilanz

1. Humankapital

Darstellung des Wissens und der Fähigkeiten der Mitarbeiter welche im unternehmerischen Umfeld zur Anwendung kommen (bspw. Produktivitätsbeiträge)

2. Strukturkapital

Darstellung der Organisations-, Kommunikationsstruktur sowie der technischen Infrastruktur (bspw. Unternehmensprozesse)

3. Beziehungskapital

Darstellung der Bindung zu nationalen und internationalen Kunden und Geschäftspartnern (bspw. Kooperationen)

Wissensbilanzierung - ein Vorgehensmodell

Wissensbilanzierung
1. Beschreibung der Ausgangssituation

Im ersten Schritt wird die Ausgangssituation der Organisation erfasst und dokumentiert. Dieser bildet den Startpunkt für die Wissensbilanzierung und zeigt neben Möglichkeiten und Risiken im Geschäftsumfeld auch die aktuelle strategische Ausrichtung der Organisation auf. Dies ist besonders wichtig für die Entwicklung der Wissensstrategie, welche an die Geschäftsstrategie angelehnt sein sollte. Die Diskussion zur aktuellen Situation und zukünftigen Ausrichtung der Organisation ist wichtiger Input für alle weiteren Schritte.

2. Erfassung des Intellektuellen Kapitals

Für die Wissensbilanz ist es wichtig, die Einflussfaktoren aus den Bereichen Human-, Struktur- und Beziehungskapital, also die immateriellen Sachverhalte, zu erfassen. Hierzu werden in einem ersten Brainstorming die Faktoren gesammelt, die den größten Einfluss auf die Leistungserstellungsprozesse und den strategisch definierten Geschäftserfolg haben.

3. Bewertung des Intellektuellen Kapitals

Um einen schnellen Überblick über Stärken und Schwächen des Intellektuellen Kapitals zu bekommen, wird in der Wissensbilanzierung die bewährte und schnelle Methode der Selbstbewertung eingesetzt. Eine Bewertung benötigt jedoch eine Bezugsgröße, also einen Bewertungsmaßstab, der festlegt, vor welchem Hintergrund etwas als eher besser oder schlechter bewertet wird. In der Wissensbilanz werden zwei mögliche und typische Bezugsgrößen für die Bewertung des Intellektuellen Kapitals eingesetzt: Das operative Geschäft und die strategische Ausrichtung.

4. Erarbeitung von Indikatoren für das Intellektuelle Kapital

Die Einflussfaktoren der Wissensbilanz werden nach der Selbsteinschätzung mit messbaren Indikatoren in Form von Zahlen und Fakten hinterlegt. Das Ziel ist die bessere Überprüfbarkeit und höhere Legitimation, indem Veränderungen weitgehend unabhängig von der Selbsteinschätzung der Mitarbeiter sichtbar werden.

Ein Indikator wird definiert als eine absolute oder relative Kennzahl, die dazu dient, einen Sachverhalt zu beschreiben. Voraussetzung für die Vergleichbarkeit von Kennzahlen ist, dass sie selbst eindeutig definiert sind, immer gleich berechnet werden und ein Interpretationsrahmen (meistens die operativen und strategischen Unternehmensziele) verfügbar ist.

Indikatoren sind immer nur so gut wie die Datenquellen. Bei der Zusammenstellung der verwendeten Indikatoren sollten daher besser wenige Indikatoren verwendet werden, die „sauber“ erhoben wurden.

5. Kommunikation des Intellektuellen Kapitals

Die Kommunikation der Ergebnisse kann in unterschiedlicher Form erfolgen, rein verbal in Form von Gesprächen und Vorträgen oder schriftlich als lebendiger Bericht. Wichtig ist dabei, dass die Wissensbilanz an die Zielgruppe angepasst ist. Sie soll den Lesern oder Zuhörern nicht langweilig werden und ihnen schnell alle relevanten und wichtigen Informationen über das Intellektuelle Kapital der Organisation vermitteln.

6. Steuerung des Intellektuellen Kapitals

Das Management der Organisation steht nun vor der Herausforderung, diese Entwicklungen gezielt anzugehen und so zu steuern, dass die Strategie zum Erfolg führt. Im Gegensatz zu stark arbeitsteiligen und nach Anlagen und Maschinen ausgerichteten Organisationen sind wissensintensive Organisationen dadurch gekennzeichnet, dass ein Großteil der eingesetzten Ressourcen auf die Vernetzung des Intellektuellen Kapitals zurückgeht. Diese immateriellen Ressourcen sind durch zahlreiche Wechselwirkungen geprägt, die Zusammenhänge komplex und undurchschaubar machen. Simple Ursache-Wirkungsketten, wie sie bei einfachen Maschinen funktionieren (Schalter ein, Maschine läuft), gibt es im Bereich des Intellektuellen Kapitals nicht.

Nutzen der Wissensbilanzierung

1. Die hierarchieübergreifende Erstellung der Wissensbilanz erhöht das Verständnis, wie das Unternehmen funktioniert. Das Management bekommt einen Eindruck davon, was im operativen Geschäft vorgeht, und die Mitarbeiter bekommen einen Eindruck von den Herausforderungen im Management.

2. Die Erfassung und Definition der wichtigsten Einflussfaktoren ermöglicht eine gemeinsame Sprachfindung, welche Missverständnisse vermeidet und konstruktive Diskussionen fördert.

3. Die Einigung auf vorerst nur wenige Einflussfaktoren und das Wissen um deren Ergebnisbeitrag erleichtern die Fokussierung von Lern- und Verbesserungsaktivitäten.

4. Die Hinterfragung und Reflexion etablierter Vorgänge und Abläufe bilden einen wichtigen Ausgangspunkt für die Prozessgestaltung und -verbesserung.

5. Die gemeinsame Diskussion über die Einflussfaktoren und Werttreiber erzeugt Synergien und schafft ein innovationsförderliches Klima.

6. Die Konzentration auf den Kunden und das Wissen um dessen Bedürfnisse erlauben eine bessere Ausrichtung auf die Wertschöpfung und Wettbewerbsvorteile.

7. Eine offene und aufrichtige Diskussion über Stärken und Schwächen sowie eine solide und ehrliche Messung des Intellektuellen Kapitals schafft Transparenz und Vertrauen zwischen den Mitarbeitern, Organisationseinheiten und -funktionen.



Umsetzung von Wissensbilanz und Wissensmanagement in der Praxis

Das Institut für Wissensmanagement und Absatzentwicklung InWisA mit Hauptsitz in München, Karlstr. 35, hat sich darauf spezialisiert Wissensbilanzen für KMU zu erstellen und bei solchen Unternehmen Wissensmanagementlösungen sehr anwendungsbezogen einzuführen. Das Alleinstellungsmerkmal von InWisA ist dabei, dass die KMU eine unmittelbare Umsetzung dieser Instrumente erfahren. InWisA vertritt durchaus die gängigen Auffassungen über Wissensbilanzen und hält sich weitestgehend an die Standardvorgehensweisen, beispielsweise an die Methoden des AK-Wissensbilanz und an die Vorgaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. Allerdings hat man bei InWisA schnell erkannt, dass der unmittelbare Nutzen für die KMU nur von kurzer Dauer ist, und dass Anwendungen von Erkenntnissen aus der Wissensbilanz gerade bei kleineren Unternehmen im Alltagbetrieb untergehen. Der Inhaber des Institutes, der Mathematiker Thomas Kraus, hat in langjähriger Entwicklung und eigener Praxis Vorgehensweisen speziell für die Akquisition und den Vertrieb von Dienstleistungen von KMU entwickelt und umgesetzt. Diese werden bei InWiSa durch Wissensbilanzen und durch vertriebsorientiertes Wissensmanagement ergänzt. InWisA betreibt zudem, vor allem für die Akquisition von Neukunden oder Investoren, einen markt- und unternehmensübergreifenden Wissenserwerb. Dabei werden international vertriebsrelevante Daten und Erkenntnisse so erhoben und verwendet, dass Methoden der "best-practices" des Marktes durch die Verknüpfung dieser Daten, Informationen und Erfahrungen zu einem meßbaren Vertriebsinstrument werden. InWisA hat insbesondere durch die Gründung der "InWisA-Colombia" InWisA-Colombia in espanol als Standort in Südamerika weitreichende Erfolge im Bereich Investorensuche und interkontinentaler Akquisition von Neukunden vorzuweisen. Für kleinere Unternehmen ist zudem reizvoll, dass InWisA die meisten Leistungen auf Erfolgsbasis erbringt. InWisA arbeitet mit einem internationalen Netzwerk von Fachleuten aus unterschiedlichen Branchen, mit einem akademischen Kernteam, und ergänzt diese Kompetenzen durch junge und besonders innovative Nachwuchskräfte. Aktuell werden die Managementinstrumente "Wissensbilanz" und "Wissensmanagement" durch InWisA auf dem lateinamerikanischen Markt eingeführt. Im Mittelpunkt steht dabei das Erfassen von rund 15.000 Unternehmensdaten in den Ländern Lateinamerikas. Dabei wird vor allem der Bedarf nach Import- und Exportbeziehungen, bzw. der gegenseitige Wunsch nach Geschäftsmöglichkeiten im jeweils anderen Kontinent untersucht und operativ unterstützt. Wissensbilanzen werden das intellektuelle Kapital und den Wert der Unternehmen herausheben, und damit für eine nie dagewesene Markttransparenz sorgen. Etliche KMU aus Europa beteiligen sich an dieser Erhebung und erhalten neben sehr präzisen vertriebsrelevanten Daten auch die kostenfreie Unterstützung beim Aufbau von Kontakten, bis hin zur operativen Kundengewinnung. Dies sozusagen als Bewerbung des europäischen Marktes. Damit leistet InWisA nicht nur einen wertvollen Beitrag im Rahmen der Aktion "Wissensbilanz - Made in Germany", sondern ist darüber hinaus auch ein Aushängeschild für den Standort Deutschland und seine Innovationskraft geworden. Mehr zu InWisA erfahren Sie unter: InwisA

Kritik

Wissensbilanzen sollen nach außen ergänzende Informationen zu Bilanzen nach den herkömmlichen Rechnungslegungsvorschriften (HGB, IFRS, US-GAAP) bieten, indem sie vor allem eine Darstellung der schwer zu erfassenden immateriellen Vermögenswerte bieten. Sie folgen jedoch keiner allgemein anerkannten Systematik und werden im allgemeinen auch nicht im Rahmen der Jahresabschlußprüfung von Wirtschaftsprüfern geprüft. Darüber hinaus ist der Zusammenhang zu zukünftigen Ertragsmöglichkeiten nur schwer herzustellen. Damit stellt sich für Kritiker die Frage, ob Wissenbilanzen die Informationsasymmetrie zwischen dem Management und externen Stakeholdern (öffentliche Fördergeber und eventuell private Anleger) wirklich verringern und ob der Aufwand zur Erstellung solcher Systeme wirtschaftlich vertretbar ist.

Quellen

  • Wikipedia Wissensbilanz
  • Wissensbilanzierung.de
  • Bundesministrium für Wirtschaft und Arbeit: Wissensbilanz - Made in germany (Dokumentation Nr. 536; 2004) [1]
  • km-a.net Wissenscontrolling und Wissensbilanzierung

Literatur

  • Bundesministrium für Wirtschaft und Arbeit: Wissensbilanz - Made in germany (Dokumentation Nr. 536; 2004) [2]
  • Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz: Wissensbilanz als strategisches Instrument für den Mittelstand (2007) [3]

Links

  • Wissensbilanzierung.de
  • akwissensbilanz.org Wissensbilanz-Toolbox: Eine freie Software zur Erstellung von Wissensbilanzen
  • inwisa.biz Erstellen von Wissensbilanzen und Einführung von Wissensmanagement bei KMU, Schwerpunkt ist die anschliessende Umsetzung dieser Instrumente, insbesondere zum Zwecke der Kunden- und Investorengewinnung, in die Praxis.
Persönliche Werkzeuge