Wissen

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Wissen hat hinsichtlich seiner inneren Form einen dreistufigen Aufbau, der folgende Komponenten umfasst:

  • Daten sind der Rohstoff für alles Wissen.
  • Informationen sind systemspezifisch aufbereitete Daten und damit Zwischenprodukte des Wissens.
  • Wissen ist die Veredelung von Information durch Praxis. Jedes Wissen setzt Praxis voraus.

Inhaltsverzeichnis

Daten

Die Produktion von Daten setzt Beobachtungsinstrumente voraus. Besonders wichtige Instrumente der Beobachtung sind Ideen, Konzeptionen, Ideologien, Theorien etc., insgesamt die kognitiven "Landkarten" in den Köpfen von Beobachtern. Sie bestimmen, was gesehen wird und was nicht.

Daten müssen in irgendeiner Form codiert sein, damit sie existent werden und "gelesen" werden können. Was nicht in die für Menschen beschränkten Codierungsformen (Zahlen, Sprache, Texte, Bilder) gepresst werden kann, ist als Datum nicht existent. Dies bedeutet zum Beispiel, dass Ausdrucksformen nichtverbaler Kommunikation oder emotive Qualitäten von Verhaltensweisen als Daten verloren gehen.

Diese Überlegungen zeigen, dass es keine Daten an sich gibt, sonder nur beobachtungsabhängige, also qua Beobachtung erzeugte oder konstruierte Daten. Gegenüber Zahlen und Texten scheinen allerdings Bilder eine besonders reichhaltige Möglichkeit der Codierung von Daten zu bieten.

Informationen

Eine Information ist nur dann vorhanden, wenn ein beobachtendes System über Relevanzkriterien verfügt und einem Datum eine bestimmte Relevanz zuschreibt. Relevanzkriterien ermöglichen es, die Komplexität von Daten zu reduzieren und nur diejenigen Daten zu Informationen aufzuarbeiten, die für eine Person oder eine Organisation von Bedeutung sind. Während Daten beobachtete Unterschiede bezeichnen, meinen Informationen relevante Unterschiede, also die von einem Beobachter für relevant gehaltenen Unterschiede, also die für ein System relevanten Unterschiede, also immer systemspezifische Unterschiede. Verschiedene Systeme - Personen, Teams, Abteilungen, Organisationen etc. - können also aus denselben Daten völlig unterschiedliche Informationen ableiten, je nachdem, welche Relevanzkriterien ausgesiebt und dadurch mit Bedeutung aufgeladen werden. Ein gelingender Informationsaustausch ist erst dann möglich, wenn die beteiligten Akteure und Systeme zuvor die Mühe auf sich genommen haben, ihre Relevanzkriterien aneinander anzupassen und zu einer gemeinsamen Sprache zu kommen.

Wissen

Wissen entsteht, wenn Informationen in einen Praxiszusammenhang eingebunden werden und daraus eine neue oder eine veränderte Praxis folgt. Entstehung und Transfer von Wissen setzen immer einen Erfahrungskontext voraus, eine "community of practice". In diesem Sinne gibt es kein "theoretisches" Wissen, sondern nur praktisches Wissen im Umgang mit Theorie. Es gibt kein "abstraktes" Wissen, sonder nur praktisches Wissen im Umgang mit Abstraktionen.

Aus Informationen wird Wissen, wenn Informationen in einen zweiten Kontext von Relevanzen eingebunden werden. Dieser zweite Kontext besteht nicht, wie der erste, aus Relevanzkriterien, sondern aus bedeutsamen Erfahrungsmustern, die das System in einem speziell dafür erforderlichen Gedächtnis speichert und verfügbar hält. Wissen ist ohne Gedächtnis nicht möglich, aber nicht alles, was aus einem Gedächtnis hervorgeholt werden kann, ist Wissen. Wissen ist deshalb immer zweckgebunden und bezieht seine spezifische Bedeutung aus den Zielen und aus der strategischen Ausrichtung eines Unternehmens.

Implizites Wissen

Implizites und explizites Wissen
Implizites Wissen ist ein Wissen, das eine Person aufgrund ihrer Erfahrung, ihrer Geschichte, ihrer Praxis und ihres Lernens im Sinne von Know-how hat. Erstaunlicherweise muss die Person nicht unbedingt wissen, dass sie dieses Wissen hat, und sie muss auch nicht erklären können, wie sie kann, was sie kann (Beispiel: Fahrrad fahren).

Explizites Wissen

Explizites Wissen dagegen ist ein ausgesprochenes, formuliertes, dokumentiertes und in diesem Sinne expliziertes Wissen, ein Wissen also, von dem der Wissende weiss und über das er sprechen kann. Der Prozess der Explizierung, der Übergang vom impliziten zum expliziten Wissen kann sehr mühevoll sein.

Organisationales Wissen

Die heute möglichen Formen von Wissensmanagement und Wissensarbeit ergeben sich erst, wenn beide Seiten, Personen und Organisationen, in komplementärer Weise Wissen generieren, nutzen und wechselseitig ihr Wissenspotenzial sich zur Verfügung stellen. Wenn soziale Systeme lernen können, dann können sie auch Wissen generieren, speichern und in systemisch organisierten Prozessen anwenden.

Organisationales oder institutionelles Wissen steckt in den personenunabhängigen, anonymisierten Strukturen, Prozessen und Regelsystemen, welche die Operationsweise eines Sozialsystems definieren (z.B. Demokratie). Vor allem sind dies Standardverfahren (standing operating procedures), Leitlinien, Kodifizierungen, Arbeitsprozess-Beschreibungen, etabliertes Rezeptwissen für bestimmte Situationen, Routinen, Traditionen, spezialisierte Datenbanken, kodiertes Produktions- und Projektwissen und die Merkmale der spezfischen Kultur einer Organisation wie generalisierte Werte, leitende Mythen und normativ eingeschliffene Selbstbeschreibungen.

Organisationen können ein sehr viel umfassenderes und komplexeres Wissen erwerben als Menschen. In diesem Sinne können Organisationen deutlich intelligenter sein als Menschen.

Die systemischen Merkmale von Organisationen sind:

  • Strukturen
  • Prozesse
  • Regelsysteme

In diesen Merkmalen unterscheiden sich Organisationen grundlegend von den entsprechenden Merkmalen ihrer Mitglieder.

Wissen ist eine wichtige Quelle fuer den Erfolg eines Unternehmens / einer Organisation. Mit Wissen können die Mitarbeiter Prozesse beschleunigen, Leistungen optimieren und Kosten senken. Wissen ermöglicht es ihnen, Marktanalysen durchzufuehren, Angebotslücken wahrzunehmen und so neue Märkte zu erschliessen. Das haben die Unternehmen bereits kurz nach Eintritt in das Informationszeitalters erkannt. Strukturiertes Unternehmenswissen hat viele Vorteile: Mitarbeiter koennen nach einer erfolgreichen Informationssuche Aufgaben besser bearbeiten, neue Ideen schneller in die Tat umsetzen und Entscheidungen gezielter treffen. Jedoch kostet die Aufbereitung, Strukturierung und Bewertung der im Unternehmen gesammelten Informationen viel Zeit und Mühe und auch das Auffinden relevanter Daten ist kein leichtes Unterfangen. Das Hauptproblem der meisten unternehmensinternen Informationssysteme sind fehlende Schnittstellen zwischen unterschiedlichen Datenbanken, in denen das heterogene Firmen-Know-How auf unterschiedlichste Weise gespeichert ist.

Kosten des Wissens

Die Kostenstruktur von Wissen ergibt sich aus den Hauptkomponenten, aus denen Wissen zusammengesetzt ist: Daten, Informationen und Praxis. Daten sind umso kostspieliger, je aufwändiger die Beobachtungsinstrumente sind, die zu ihrer Erzeugung erforderlich werden. Daten sind auch umso wertvoller, je proprietärer und geheimer sie gehalten werden können, sollten sie für Konkurrenten wichtige Informationen liefern. Eine zweite Kostenkomponente von Wissen sind die Kosten der Herstellung von Informationen aus Daten.

Kosten entstehen bei der Produktion von Informationen dadurch, dass Relevanzkriterien entwickelt und angewendet werden, die aus den Ozeanen von Daten bedeutsame Informationen herausfiltern.

Die Kosten von wissensgenerierender Praxis sind noch komplexer. Wissen bezeichnet, wie ausgeführt, eine kommunikativ konstituierte und konfirmierte, also «bewährte» Praxis, in die passende Informationen an passender Stelle eingebaut werden und in der sich soziale Praktiken zu handlungsleitenden Mustern verdichten. Wissen kann daher als Informationen angesehen werden, die mit Erfahrung, Beurteilung, Intuition und Werten aufgeladen sind. Neue Informationen führen allerdings keineswegs zwingend zu neuem Wissen. Sie können auch ausgeblendet und die Generierung von neuem, aber nicht «passendem» Wissen kann abgelehnt werden.

Die Kosten von Wissen hängen mithin ausser von den Kosten für Daten und Informationen von den Kosten der Herstellung einer sozialen Praxis ab, in der bestimmte Erfahrungsmuster erzeugt und konfirmiert werden. Ein erster Kostenfaktor dafür ist die Zeit, die eine solche Konfirmierung beansprucht. Ein weiterer Faktor, der die Kosten von Wissen bestimmt, ist die Exklusivität einer bestimmten Praxis und die Schwierigkeiten ihrer Realisierung. Die Logik der Wissensökonomie und damit verbunden die Kosten und der der Nutzen von Wissensmanagement werden deshalb so lange nur unzureichend begreiflich sein, als es über die Kosten des Wissens und insbesondere über die Kosten des Nichtwissens nur vage Vermutungen gibt.

Quellen

  • H. Willke: Einführung in das systemische Wissensmanagement (Seiten 28-35, 43-47), Carl-Auer 2004
  • A. Schelten: Begriffe und Konzepte der berufspädagogischen Fachsprache, Steiner 2000

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