Mashups
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Unter Mashup versteht man analog zum englischen Begriff das Zusammenmischen von Online-Inhalten unterschiedlicher Herkunft auf einer Webseite oder in einer Webapplikation. Ein Mashup (engl. für Vermanschung) bezeichnet demnach die Erstellung neuer Inhalte durch die nahtlose (Re-)Kombination bereits bestehender Inhalte. Als bekannteste Beispiele dienen der einfache Einbau von YouTube-Videos oder Google-Maps-Material sowie der Einsatz von Widgets auf personalisierten Webseiten oder Blogs. Als größtes Problem gilt derzeit, dass zwar zwischen 20 und 30 Industrievertreter an einem entsprechenden Technologieframework für Mashups arbeiten, jedoch bisher noch keine industrieübergreifende Kooperation zum Entwickeln eines gemeinsamen Standards zustande gekommen ist. Die neu initiierte Open Mashup Alliance (OMA) möchte Kriterien für die Entwicklung, Interoperabilität und Kompatibilität von Mashup-Techniken auf Basis der zu entwickelnden Enterprise Mashup Markup Language (EMML) festlegen. Die Initiative findet Unterstützung durch IT-Unternehmen wie Adobe, HP, Intel und JackBe. Die eingebrachte EMML ist eine domänenspezifische XML-basierte Sprache für die Entwicklung und den Einsatz von Mashups. Sie soll unter der Creative Commons Licence of Attribution No Derivates angeboten werden, wodurch die mit der EMML erstellten Lösungen kopiert, aber nicht verändert werden dürfen. Die Allianz möchte eine Referenzimplementierung zur Verfügung stellen, und es ist nicht auszuschließen, dass die domänenspezifische Sprache zu einem späteren Zeitpunkt einem größeren Standardgremium wie OASIS oder W3C angeboten wird.
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Begriff
Der Begriff stammt aus der Welt der Musik und bedeutet dort im Englischen soviel wie Remix (vgl. Bastard Pop). In den deutschen Sprachraum wurde der Begriff rund um das Schlagwort Web 2.0 importiert, da Mashups als ein wesentliches Beispiel für das Neue an Web 2.0 angeführt werden: Inhalte des Webs, wie Text, Daten, Bilder, Töne oder Videos, werden z.B. collageartig neu kombiniert. Im Zusammenhang mit dem Semantic Web ist auch von "Meshups" die Rede, wo im Gegensatz zu den Mashups, wo ungleichartige Daten "brachial" kombiniert werden, ungleichartige Daten auf natürliche Weise (kontextbezogen) kombiniert werden.
Web-2.0-Mashups
Wenn Web 1.0 "read-only" war und Web 2.0 "read/write" ist, so ist der nächste logische Schritt "read/write/execute". Solche Webservice-Mashups befähigen den Benutzer, Webservices so zusammenzuschnüren, dass Funktionalitäten nach Mass dynamisch erstellt werden können ohne jegliche Kenntnisse über Programmierung und Software-Entwicklung haben zu müssen. Auf den ersten Blick erinnern Mashups an das Konzept der service-orientierten Architektur (SOA), sprich, das Aneinanderreihen von lose-gekoppelte Komponenten zu einer logisch zusammenhängenden Anwendung. Bei genauerem Hinsehen ergeben sich allerdings Unterschiede im Hinblick auf die Komplexität der Anwendung sowie die Gestaltungsmöglichkeiten durch die Endbenutzer. Während SOA-basierte Composites meist Geschäftsprozesse abbilden mit transaktionalen Prozessschritten, verfolgen Mashups das Ziel der Informationsverknüpfung. Zunächst als Spielzeug abgestempelt, werden Mashups heute bei Internetanwendern immer beliebter. Erste kommerzielle Anbieter machen sich zunehmend die oben genannten Möglichkeiten zu Nutze und auch in Unternehmen erkennt man den Mehrwert dieser leichtgewichtigen User Interface Composites.
Enterprise Mashups
Mashups können auch in Unternehmen eingesetzt werden ("Enterprise Mashups"), um schnelle Lösungen bereitzustellen, die den Minimalanforderungen genügen, die Entwicklungskosten niedrig halten und dennoch die Benutzerzufriedenheit steigern. Allerdings muss bei solchen "Enterprise Mashups" mit einer erhöhten Fehleranfälligkeit gerechnet werden, da Mashups Daten und Logik aus diversen Quellen kombinieren und damit auch anfällig auf Fehler sind, die diese Quellen betreffen. In welchem Umfang die Mashup-Technologie Einzug in Unternehmen erhält, ist noch nicht ganz absehbar. Erfolgreiche Unternehmen sollten allerdings im Stande sein, innovative Technologien schnell zu evaluieren und – bei einem Mehrwert für den Geschäftablauf – rasch zu implementieren. Voraussetzung dafür ist eine integrierte, unternehmensweite Geschäftsprozessplattform, welche zum einen die Offenheit bietet Fremdsysteme auf Basis von Standards anzubinden und zu anderen die Sicherheit gewährleistet, neue IT-Lösungen in einer verteilten, web-orientierten Umgebung erfolgreich zu betreiben.
Mashup-Plattformen
Yahoo Pipes
Yahoo Pipes ist eine Service-Plattform für das Verarbeiten von strukturierten Daten wie RSS-, Atom- und RDF-Feeds innerhalb einer Web-basierten visuellen Programmierumgebung. Pipes-Entwickler können Datenquellen und Benutzereingaben in Mashups kombinieren ohne Programmiercode schreiben zu müssen. Pipes setzt auf einen grafischen Editor, der an ein interaktives Flussdiagramm erinnert. Nutzer können damit ganz einfach verschiedene Module kombinieren und den Fluss der Daten anhand stilisierter Rohre nachvollziehen. Diese Mashups können Kernfunktionalitäten für Web-Applikationen zur Verfügung stellen oder als wiederverwendbare Komponenten innherhalb der Pipes-Plattform selbst dienen. Jedes Pipes-Mashup kann von anderen Anwendern verändert und als Ausgangsbasis für eigene Experimente genutzt werden kann. Pipes ist damit gewissermaßen ein Open-Source-Format für Mashups.
Microsoft Popfly
(Update: wurde am 24. August 2009 eingestellt)
Der Mashup- und Webseitenbaukasten Microsoft Popfly basiert auf Microsofts Flash-Pendant Silverlight und Webeservices und erlaubt die Zusammenstellung von Mashups aus bestehenden Web-Inhalten und deren Einbettung in eine selbst gestaltete Webseite. Mehrere User können dabei gemeinsam an einer Seite arbeiten. Ausserdem lassen sich mit Popfly Gadgets für Windows Live und die Sidebar von Windows Vista erzeugen. Die Mashups setzt man aus sogenannten Blocks zusammen, die jeweils für einen bestimmten Webinhalt oder eine bestimmte Funktion stehen. Microsoft stellt verschiedene vorgefertigte Blocks bereit, man kann aber auch eigene Blocks in Form von XML-Definitionen erstellen.
Google Mashup Editor
(Update: wurde am 12. August 2009 eingestellt)
Google Mashup Editor (GME) ist ein AJAX-Entwicklungsframework und ein Set von Tools, welches Entwicklern die Möglichkeit bietet auf einfache und schnelle Weise Web-Applikationen und Mashups mit Google-Services wie Google Maps und Google Base zu erstellen. Als Datenquelle können beliebige Feeds (RSS oder ATOM) dienen. Das Framework verwendet selbst auch das ATOM-Format für die Strukturierung der Applikations- und Userdaten. Neben den GME-spezifischen deklarativen XML-Tags kann im Code auch JavaScript, CSS und HTML direkt eingesetzt werden. Mittels Verwendung des bereits in anderen Google-Services integrierten JavaScript APIs lassen sich mit dem Google Mashup Editor auch sehr anspruchsvolle Anwendungen realiseren.
Intel Mash Maker
Intel hat eine Firefox-Erweiterung herausgebracht, mit der Benutzer des Browsers ohne Programmierkenntnisse Mashups zusammenklicken können. Als Werkzeugleiste bettet sich der Intel Mash Maker in den Browser ein und ermöglicht es, Webseiten mit Inhalten von anderen Sites anzureichern.
IBM Lotus Mashups (ab Mitte 2008)
Mit Lotus Mashups von IBM können Business-Anwender ohne Programmierung Web-Anwendungen zusammenstellen, die Daten aus Geschäftsanwendungen mit Web-Informationen kombinieren. Lotus Mashups verfolgt die Idee des bereits vor sechs Jahren lancierten Projekts QEDWiki weiter, ist aber im Gegensatz dazu nicht mit PHP implementiert, sondern basiert auf einem Java Application Server. Lotus Mashups setzt sich aus vier Hauptkomponenten zusammen:
- Bestehende Widgets setzt man in einer browserbasierten Oberfläche zur Mashup-Anwendung zusammen.
- Ein Katalog-Server verwaltet alle im System vorhandenen Komponenten.
- Die fertiggestellten Mashups werden von einem Mashup-Server an den Browser des Zielsystems geliefert.
- Mit einem Widget-Builder lassen sich Widgets erstellen, die mit Geschäftsanwendungen kommunizieren. Das Produkt wird darüber hinaus eine Sammlung fertiger Widgets anbieten und neue Widgets werden sich durch verschiedene Entwicklungswerkzeuge erstellen lassen.
Teqlo
(Update: wurde am 8. November 2007 eingestellt)
Teqlo ist eine Mashup-Plattform, mit deren Hilfe Web-Applikationen auch von nicht-technikorientierten Benutzern erstellt werden können - ohne Kenntnisse über APIs und Programmierung besitzen zu müssen.
weitere
Mashup-Anwendungen
Beispiele für Landkarten-Mashups sind hier beschrieben.
Quellen
- "Neue Initiative für die Entwicklung von Mashups", 26.9.2009, heise.de
- "Mashups: Neue Self-Services für Business User?", computerwoche.de, 27.2.2008
- Wikipedia (DE): Mashup, Stand 20.5.2007
- "Masups für die Massen", futurezone.orf.at, Stand 20.5.2007
- "Data Web, Googlebase, and Yahoo!", März 2007
Links
- Webmashup.com, Mashup-APIs und -Beispiele
- "Mashups: Wie IBM und Co das Internet aufmischen", pressetext schweiz, Stand 2.10.2007
- "Mashups: EAI mit Web 2.0", Frank Schönefeld, Computerwoche.de, 13.06.2007
- "Mix, Match, And Mutate", BusinessWeek, 25.7.2005
- "Vorab integrierte Mashups für umgehende Integration" (Produkt-Feature), Salesforce.com, Stand 22.5.2007
- "Webservices und Mashups: Grenzenlose Innovation" (Produkt-Feature), Salesforce.com, Stand 22.5.2007
- "Microformats Enable Unanticipated Mashups", xfront.com
- "Enterprise Mashups" (MP3-Podcast, englisch), BusinessWeek, 13.11.2006
- "(Enterprise) Mashup" (diverse Artikel, deutsch), Workflow-Tool.de, 25.6.2009 - 15.10.2009
