Lernen
Aus WM 2.0 Wissensmanagement-Wiki
Lernen ist der Prozess und Wissen das Ergebins.
Lernen ist sehr elementar definiert als die Anpassung eines komplexen Systems an Umweltbedingungen. Da sich Umweltbedingungen immer (und mehr oder weniger kontinuierlich) verändern, muss sich jedes soziale System ausnahmslos und kontinuierlich an Umstände und Konstellationen einer Praxis anpassen, die sich in irgendeinem Detail verändert hat. Lernen hat also zunächst nichts mit Qualität oder Fortschritt oder Perfektion zu tun, nicht einmal notwendig etwas mit Überleben, sondern alles mit selbstgesteuerter und auf systemeigenen Perzeptionen füssender Selbsreproduktion psychischer und sozialer Systeme.
Lernen heisst also nicht, Problemlösen aus der Sicht eines externen Beobachters, sondern Problemlösung aus der Sicht des lernenden Systems.
Systemisches Wissensmanagement zielt darauf, Personen und Organisationen zu befähigen, zwei Kernkompetenzen zu entwickeln, die im Hinblick auf das Anspruchsniveau der Wissensgesellschaft als allgemeine (generische) Kernkompetenzen verstanden werden müssen:
- Lernfähigkeit und
- Innovationskompetenz.
Beide Kompetenzen verlangen höherstufiges Lernen, und erst die Formen des reflexiven und des reflektierten Lernens erzeugen das Wissen, das als gezieltes und strategisch relevantes Wissen eine kompetitive Exzellenz von Personen und Organisationen ermöglicht.
Organisationales Lernen
Organisationales Lernen besteht darin, dass Organisationen in ihre Strukturen, Prozesse und Regelsysteme Wissen eingbauen. In Übereinstimmung mit unserem Wissensbegriff bedeutet dies, dass Organisationen Informationen in ihre systemisch relevante Praxis einbauen. Bei einer Restrukturierung geht es darum, die systemischen Merkmale der Organisation zu verändern, um sie veränderten Umweltbedingungen anzupassen und sie als Systeme effektiver und effizienter zu machen. Organisationen lernen nur dann schneller und effektiver als ihre Konkurrenten, wenn sie
- (1) das Lernen lernen (reflexives Lernen) und
- (2) klare strategische Entscheidungen darüber fällen, was sie vorrangig lernen wollen (reflektiertes Lernen).
In Strukturen lässt sich reflexive Lernfähigkeit dadurch einbauen, dass sie nicht, wie üblich, nur als normative Verfestigungen verstanden werden, sondern als Hybrid aus normativen und kognitiven Komponenten. Es müssen also Komponenten erfunden werden, welche die starre, normative Rasterung der Strukturen durchbrechen, allerdings dabei die Strukturen nicht völlig auflösen. Tatsächlich gibt es einige solcher Komponenten schon längst: vor allem in Form informaler Organisation und in den Formen von Projektarbeit, Querschnittsfunktionen oder "special teams".
Prozesse organisieren, takten und koordinieren komplexe Abläufe in der Zeit. Intelligenz der Prozesse bedeutet deshalb vor allem eine intelligente Nutzung der Zeitdimension.
Quellen
- H. Willke: Einführung in das systemische Wissensmanagement (Seiten 48-51, 56-61), Carl-Auer 2004
