Emergenz
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Emergenz spielt im Wissensmanagement insbesondere im Zusammenhang mit Web 2.0 eine wichtige Rolle. Die neuen Kommunikationsverbindungen lassen die Kreativität der vernetzten Individuen ansteigen. Durch das Zusammenführen einzelner Elemente kann die Gesamtintelligenz gesteigert werden.
Grundsätzlich heist eine Ordnung oder eine Eigenschaft emergent (oder selbstorganisierend), wenn sie aus der blossen Aggregation von Teilen oder aus den summierten Eigenschaften der Teile nicht mehr erklärbar ist. Nach den Kritieren der Emergenz müssen also Organisationen Eigenschaften aufweisen, die aus den Eigenschaften von Personen allein nicht ableitbar sind. Sie müssen Merkmale aufweisen, die sich nicht auf die Markmale von Personen reduzieren lassen.
Die wichtigste Bedingung für das Entstehen emergenter Eigenschaften ist die grössere Komplexität einer höheren Systemebene. Es ist leicht einsichtig, dass ein Makromolekül komplexer ist als ein Atom, eine Zelle komplexer ist als ein Molekül, ein Organismus komplexer als eine Zelle, eine Gruppe komplexer als ein Organismus. Zwar besteht die jeweils höhere Systemebene zunächst nur aus Ansammlungen von Elementen der niedrigeren Stufen; aber "Ansammlung" reicht eben nciht aus. Hinzu kommen bestimmte neue Strukturmuster und Prozesse, die aus den Funktionsbedingungen des Ganzen folgen und deshalb nur aus einer Sicht des Ganzen heraus vestehbar sind.
Natürlich müssen diese neuen Strukturmuster und Prozessse auch den Funktionsbedingungen der Elemente gehorchen. Aber - und hier liegt der scheinbar paradoxe Kern des Problems - die Funktionsbedingungen der jeweiligen Elemente sind nicht restringierter und enger als die der jeweils höheren Systemebene, sonder im Gegenteil offener und weiter. Das heisst: Jede höhere Systemebene begrenzt zunächst den Möglichkeitsspielraum der Elemente, aus denen es sich zusammensetzt. Sie zwingt die Elemente unter Gesetzmässigkeiten, die bestimmte Zustände und Ereignisse nicht mehr zulassen. Insofern ist das neue Ganze weniger als die Summer seiner Teile. Aber es erzeugt mit dieser Reduktion als Ganzes neue Möglichkeiten und Qualitäten, die über diejenigen der Komponenten hinausgehen. Insofern ist das Ganze zugleich mehr als die Summe seiner Teile ("kreative Reduktion").
Immer fordert die Bildung einer höheren, komplexeren Einheit die Begrenzung der Freiheitsgrade der Elemente, weil nur so die Strukturen, Prozesse und Regeln des Gesamtsystems geschaffen und erhalten werden können.
Quellen
- H. Willke: Einführung in das systemische Wissensmanagement (Seiten 12-15), Carl-Auer 2004
