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12.11.2009
Müssen oberste Chefs wirklich twittern?
"Ja", erklärte laut Kleinreport die Social Media-Spezialistin Nicole Simon gestern an der Trendtagung Fach- und Spezialmedien in Zürich. Sie begründete:
"Noch bis vor kurzem sei das Internet nicht wirklich allgemein anerkannt gewesen, was jetzt definitiv anders sei. Es sei darum nötig, dass alle Verlagsfachleute, die ihr Publikum wirklich erreichen wollen, sich mit dem Internet und seinen Möglichkeiten gründlich befassen. «Es genügt nicht, wenn sich die IT-Abteilung mit Online befasst, auch die obersten Manager müssen twittern, um zu verstehen, was da abgeht», betonte sie."Nun, meines Erachtens ist das Internet schon ziemlich lange allgemein anerkannt. Mit Social Media-Anwendungen verhält es sich natürlich anders. Guten CEOs traue ich persönlich aber durchaus zu, Strategiekonformität, Opportunitäten und Nachhaltigkeit von Twitter & Co. aus theoretischer Warte beurteilen zu können. Was natürlich nicht heissen soll, dass C-Level-Verantwortliche nicht Bloggen, Twittern oder sonstwie Social Networken sollen, wenn sie mögen.
Viel wichtiger als twitternde Chefs sind meines Erachtens Vorgesetzte, die offen sind für den Einsatz von Social Media und befähigten Mitarbeitenden genügend Spielraum für die Umsetzung lassen. Wenn dabei noch folgende Handlungstipps, die wir bei anderer Gelegenheit schon propagiert haben, beachtet werden, bestehen gute Voraussetzungen für nachhaltigen Erfolg:
Potenzialanalyse: Den Einsatz von Social Media-Tools gilt es eingehend auf ihre Kompatibilität mit der Unternehmensstrategie und den daraus abgeleiteten Zielen (Marketingstrategie) zu analysieren. Insbesondere hat die Segmentierung der relevanten Zielgruppen unter Berücksichtigung der Dimension «Onlineaffinität» zu erfolgen.
Zieldefinition: Social Media-Anwendungen sind mittlerweile so bekannt, dass Trial and Error als Vorgehensweise nicht (mehr) zu empfehlen ist. Es ist unumgänglich, konkrete Ziele für den Einsatz zu setzen, darauf die Weiterentwicklung und -planung zu basieren und die Ziele nach Inbetriebnahme der Lösungen auch zu kontrollieren.
Toolevaluation: Je nach Strategie, Zielsetzung und vor allem auch Unternehmenskultur sind individuell passende Tools zu evaluieren.
Risikobewusstsein: Auch im Internet gelten Gesetze und es existiert kriminelle Energie. Generell unterschätzt werden auch immaterialgüterrechtliche Belange. Es ist ein absolutes Muss, dass sich Unternehmen weitreichende Sicherheitsgedanken machen und diese in Form von verbindlichen Richtlinien festhalten.
Personalschulung: Es gibt nichts Langweiligeres, als schlecht geschriebene Corporate Blogs, Twitter, Wikis oder andere Anwendungen. Ein Unternehmen kann sich äusserst schnell einen Imageschaden einhandeln, wenn die Inhalte nicht von entsprechend befähigten Mitarbeitenden verfasst werden.
Pilotanwendungen: Die zielkonformen Anwendungen müssen ausgiebig getestet werden. Idealerweise wird ein Teilnehmerkreis gewählt, der die künftigen Ziel- und Anwendergruppen gut repräsentiert. Bei Tests wird in der Regel viel Optimierungspotenzial gefunden, was unter anderem auch die gefühlte Toleranz gegenüber den neuen Anwendungen signifikant erhöhen kann. Die Mitarbeitermotivation, entscheidend für den Erfolg des Social Media-Einsatzes, steigt damit entscheidend.
Lösungsetappierung: Nach den Testläufen kristallisieren sich Bereiche heraus, deren Implementierung sich aus Sicht von Machbarkeit, Potenzial und Interessenlage aufdrängen. Die Implementierung einer möglichst umfassenden, endgültigen Lösung ergibt wenig Sinn. Schrittweises Implementieren, daraus lernen und weiterentwickeln, ist die Grundlage der Erfolgsgeschichte
Mitarbeitereinbezug: Die tangierten Mitarbeitenden müssen zwingend eingehend instruiert und geschult werden. Weiter ist stetige, kommunikative Begleitung unumgänglich, um Interesse, Akzeptanz und Interaktion erzeugen zu können. Wie bereits erwähnt, ist die Mitarbeitermotivation entscheidend für den nachhaltigen Erfolg.
Zielgruppenkommunikation: Kommunikation und Interaktion mit den Zielgruppen (intern, extern oder gemischt) sind absolut zentral. Ohne entsprechendes Engagement der zuständigen Manager und Mitarbeitenden kann sich kein Erfolg einstellen. Wenn User-Anregungen oder -Fragen nicht prompt, authentisch, transparent und kompetent bearbeitet werden, verpufft der Effekt.
Zielüberprüfung: Nichts ist für die Ewigkeit, und im Internet wäre die Ewigkeit sowieso endlich und kurz. In diesem Kontext ist klar, dass auch webbasierte Lösungen eine relativ kurze Halbwertszeit besitzen. Die Wettbewerbs- und Internetentwicklung muss laufend im Auge behalten und analysiert werden. Die Zielsysteme sind entsprechend zu adjustieren und die Massnahmen anzupassen. Wer die Kapazität oder Ressourcen für diesen laufenden Prozess nicht hat, sollte sich mit Social Media nicht die Finger (oder das Kapital) verbrennen.
Wir twittern @rolotec.
Verfasst von Hans Fischer um 12.11.09 14:05

