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12.09.2008

Banken + Web 2.0 = interimistische Ratlosigkeit

Das Thema Finance 2.0 finden Sie facettenreich dokumentiert. Was fällt am schnellsten auf? Genau, die Widersprüchlichkeit der Expertenmeinungen. "Banken und Web 2.0 geht gar nicht", die einen, "Gerade Banken können dank Web 2.0 User an sich binden", die anderen. Die Unsicherheit im Umgang mit dem sozialisierten Web spiegelt sich auch in der Studie von Datamonitor wieder, die unter "Banken scheuen Web-2.0-Technologien" bei pressetext zusammengefasst wird.

Fakt ist, dass sehr viele Banken Web 2.0-Anwendungen wie Social Networks, RSS für Dokumenten-Push, Weblogs oder Wikis im Intranet einsetzen, im Bereich des Internets aber noch sehr zögerlich agieren. In welcher Art sich das ändern könnte, ist in den "Drei Thesen zum Bankkunden von morgen" festgehalten. Einige Auszüge:

"(...) In letzter Konsequenz sammeln Suchroboter selbständig passende Inhalte, gewichten sie nach Aktualität und Bedeutung, stellen sie zu einer Newsshow zusammen und lassen sie von virtuellen Moderatoren, die nach eigenem Gusto gestaltet werden können, zur individuell gewünschten Tageszeit vortragen. Aus den heutigen Börseninformationsseiten werden Zugangsportale zur Steuerung persönlicher Börsennews-Shows. (...)

Die kommenden Bankkunden bewegen sich nämlich so gerne wie engagiert in den Spielwelten. Sie investieren viel Geduld und manchmal auch Geld in die Gestaltung ihrer Spielfiguren, die sogenannten Avatare. Die Identifikation mit ihnen ist so gross, dass die Grenzen zwischen realer und virtueller Welt perforiert werden. Es braucht nicht viel Phantasie, die Folge dieser Entwicklung zu abstrahieren. Wird ein heute Jugendlicher in einigen Jahren finanziell selbständig und will ein reales Konto eröffnen, wird er die ihm vertraute Welt mit Interaktionsmöglichkeiten dem realen Gang in eine Bankfiliale vorziehen. Wer diesen Gedanken beim Lesen sofort negiert, sollte nicht vergessen, dass die virtuelle, dreidimensionale Bank der Zukunft Begegnungszonen für Kunden und Interessierte, Diskussionsebenen mit Bankangestellten und Besuchsmöglichkeiten von Trading-Räumen oder Hypothekenabteilungen beinhalten wird. Ein Rundum-Wohlfühlpaket für virtuell Geübte. (...)

Der Blick in die nahe Zukunft: Schreibt ein Analyst einen Report über eine Branche oder ein Unternehmen, erkennt die semantische Suchmaschine im Hintergrund die Bedeutung der Aktivität und liefert laufend zum Kontext passende Informationen. Dabei handelt es sich um Dokumente aus dem eigenen Unternehmen, um Kolleginnen und Kollegen mit passender Expertise und Informationen aus dem Internet. Eine Reizüberflutung wird nicht stattfinden, da die Anwender die virtuellen Helfer tunen können. Mittels einfachen Klickbewegungen werden angezeigte Treffer markiert, von unnötig bis sehr wertvoll. Das System merkt sich die Parametrisierung und wendet die Erkenntnisse in Zukunft an. Die Kollaboration von Mensch und Maschine erreicht hocheffiziente Sphären."

Und dann gibt es natürlich noch viele, viele Marketingeffekte.

Verfasst von Hans Fischer um 12.09.08 10:04